Erstes Kapitel.
Eine Keift durch Deutschland vorhundert Jahren.
I. Wie man reiste.
Das Reisen war Anno dazumal keine so einfache Sache wiehente. Wer nicht zn Fuß durch die Lande ziehen wollte, was derrüstige Wanderer, dem es nicht allzusehr auf die Zeit ankam, auchmeistens vorzog, der mußte entweder bestiefelt und bespornt zuPferde steigen oder er mußte den eigenen Klepper vor das Reise-wägelchen spannen uud selbst kutschieren oder endlich, wem allediese Möglichkeiten der Translokation verschlossen waren, dem bliebdas äußerste: die Postkutsche. Und dieses Beförderungsmittelstellte wiederum nicht unerhebliche Anforderungen an die seelischeuud körperliche Beschaffenheit derer, die sich seiner bedienten.I. N.Hecht, der Bädecker jener Zeiten, rechnet zu den Erforder-nissen eines „ordentlichen Passagiers" in erster Linie gute Leibes-koustitution und christliche Gednld. Namentlich galt es Wohlletztere zu üben. Und wer sie nicht hatte, konnte sie auf eiuerlängeren Postfahrt nach Ansicht kompetenter Beurteiler recht Wohlerwerben. „Wer keine Frau hat, folglich die Gednld weniger kennt,"meinte einer der meistgereisten Männer jener Zeit (der Verfasserder „Papiere eines lachenden Philosophen"), „reise auf mein Wortnach dem Norden," nämlich von Deutschland , der bei den Reisen-den besonders verrufen war. Etwas besser reiste man in Süd-deutschlaud und namentlich über die Zustände in den österreichischenLanden urteilte man weniger ungünstig. Insbesondere war derPostdicnst exakter drüben an der Donau . Wie doch die Zeitensich ändern!
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