Zvll- und Lktroiplackereien,
Was das Schneckentempo verschuldete, war nicht mir, wieBorne meinte, die Erwägung, daß der plötzliche Wechsel derSchritte von langsamen zu geschwinden und umgekehrt den Pferdenschädlich sei, weshalb mau, da man in Städten und Dörfern lang-'sam zu fahren verpflichtet fei, auch auf der Landstraße den lang-samen Schritt beibehalte. Es gab auch uoch triftigere Gründe. Derunwegsamen Wege wurde schou gedacht. Daun aber mußten dieunausgesetzten Zoll- und Oktroiplackereien viel Zeit wegnehmen.Ende des achtzehnten Jahrhunderts wurden beispielsweise zwischenDresden und Magdeburg noch 16, von Wertheim bis Mainz 7Zölle erhoben und ähnlich war es aller Orten. Man wolle sicherinnern, daß bis 1803 sich noch über 300 Fürsten und Herreuiu die deutschen Lande teilten, die dann erst auf 38 zusammen-schmolzen. Aber auch diese „achtunddreißig Monarchen" betrachtetenLand oder Ländchen des Nachbarn noch (wie es in modernerTerminologie heißen würde) als „Zollausland" und der Schlag-bänme gab es auf deu deutschen Straßen fast so viele wie heuteTelegraphenstangen. „Dagegen beschränken aber die Deutschen sichselbst um so mehr", klagt im Jahre 1819 Friedrich List . „Acht-nnddreißig Zoll- uud Mautlinien in Deutschland lahmen den Ver-kehr im Innern, und bringen ungefähr dieselbe Wirkung hervor,wie wenn jedes Glied des menschlichen Körpers unterbunden wird,damit das Blut ja nicht in ein anderes überfließe. Um vonHamburg nach Österreich, von Berlin in die Schweiz zu handeln,hat mau zehn Staaten zu durchschneiden, zehn Zoll- und Maut-ordnungen zu studieren, zehnmal Dnrchgangszoll zu bezahlen.Wer aber das Unglück t)at, auf einer Grenze zu wohnen, wo dreioder vier Staaten zusammenstoßen, der verlebt fein ganzes Lebenmitten unter feindlich gesiuuteu Zöllnern und Mautnern; der hatkein Vaterland. Trostlos ist dieser Zustand für Männer, welchewirken und handeln möchten; mit neidischen Blicken sehen siehiuüber über den Rhein , wo ein großes Volk vom Kanal bisan das mittelländische Meer, vom Rhein bis an die Pyrenäen ,von der Grenze Hollands bis Italien auf freien Flüssen undoffenen Landstraßen Handel treibt, ohne einem Mautner zu be-gegnen."