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beantwortet, damit er die öffentliche Neugierde befriedige (denn zuweiter dienen fie nichts), so sieht man sich in die Mitte ärmlicherHütten, Wiesen und Felder versetzt (es wäre denn, man passiertein die Tore der Friedrichsstadt ein), ost sieht man aber nichts,denn der kleinste Zephir erregt einen so unerträglichen Staub, daßman die Augen fest zudrücken muß.
Wien hat keinen Palast oder ein öffentliches Gebäude auf-zuweisen, welches mau mit dem Schlosse, oder mit dem Opern-und Zeughause, mit dem Heinrichschen Palais und anderen in Berlin zusammenstellen konnte. Mit einem Wort: Wien ist in Rücksichtder Bauart, der Regularität und Breite der Straßen mit Berlin gar nicht zu vergleichen und wird dadurch weit übertroffeu. Den-uoch hat Wien einen Vorzug auch in dieser Hinsicht, den man inBerlin völlig vermißt. Das Pflaster ist in Wien aus Quader-steinen aufgeführt und man findet hier keine stinkenden und un-reinen Rinnsteine, wie in Berlin , da diese dort sämtlich verdecktsind. Es ist schändlich, wie wenig in diesem Punkte in Berlin von der Polizei geschieht. In die Rinnsteine leert man die Nacht-stühle und allen Unrat der Küche aus und wirft krepierte Haustierehinein, die einen unleidlichen Gestank verbreiten. In Wien sinddie Straßen so rein, wie die Gänge eines weitläufigen Hauses.Unaufhörlich fahren Wagen umher, die allen Unrat aufladeu,audere, anf denen sich große Wafserfäfser befinden, um die Straßeuzu bespritzen und allen Staub zu löschen. Dagegen watet manin Berlin stets im Kot oder im Staube.
Wien hat durchaus unterirdische Kanäle, die sich in die Donau ergießen; dahin kommt aller Unrat. In die verschiedenen Gassensind Tagelöhner verteilt, welche den Unrat zusammenkehren; hinterihnen sährt ein Wasserbehälter, mit dessen Hilfe der Unrat in dienächste Kanalöffnung gebracht wird. In Berlin kannst du unauf-hörlich deine Nase im Schnupftuch tragen, denn gegen Morgenduften noch die Ausbeuten der erst in die Rinnsteine geleertenNachtstühle dir entgegen, oder ladet erst ein Dorfbewohner dengesammelten Mist eines Hauses aus, so ist die Luft der ganzenStraße verpestet.
Wenig sieht man darauf, tote Hunde und Katzen zu ent-