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Die deutsche Volkswirtschaft im neunzehnten Jahrhundert / von Werner Sombart
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Unwegsamkeit in den Städten.

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fernen und ich habe oft einen halben Tag tote Pferde in sehr leb-haften Straßen liegen sehen. Es gibt auch einige Orter, die manzum öffentlichen Abtritt gemacht hat, und Mehe dem Fußgänger,der im Finstern sich hierher verirrt. Hat es geregnet, so werdendie Kothaufen in den Straßen zusammengeworfen, und da dieseoft Tag und Nacht auf den Abholer warten müssen, so kann manes im Finstern sehr leicht versehen, hinein zu geraten nnd bis andie Knie verunreinigt zu werden."

Worüber man immer wieder klagen hört, das ist die Unweg-samkeit in den Städten jener Zeit. Kein Pflaster oder schlechtes,kein Bürgerfteig, daher Staub im Sommer, Morast im Winter. Aberman muß doch auch bedenken, daß es damals noch an einem eigent-lichen Verkehr im heutigen Sinne innerhalb der Stadt fehlte.Außer den paar Beamten, die zwischen Wohnnng und Bureauhin- und hergingen und den Bewohnern der Straßen, die siedurchschritten, als lebendige Stundenzeiger dienten, den paar Lauf-burschen, Reisenden uud sonst einigen Leuten müssen wir uns dieBevölkerung selbst einer größeren Stadt noch häuslich deukeu, nichtin so unausgesetzter Bewegung wie heute. Die Arbeiter brauchtennicht meilenweit zu ihrer Arbeitsstätte zu lausen, die vielmehr meistmit ihrer Wohnstätte zusammensiel, die tausend Dinge des täg-lichen Gebrauchs wurden nicht in einem ewigen Herumgelause zu-sammengeholt, das LKoMiuA war noch nicht zur süßen Gewohn-heit der Damen aller Stände geworden, die vielmehr in Hausund Garten und in der Pflege ihrer Kinder noch überreichlichArbeit fanden und von einem Spaziergehen innerhalb der Stadtwar gar erst nicht die Rede.

Man setzte sich am Abend vor das Haus, in die Lanbe oder gingSonntags vor die Tore der Stadt, wieder in die eigenen Gärten, wiederen die besseren Familien alle noch hatten oder in Feld und Waldhiuaus. Was hätte man auch für einen Genuß gehabt, in der Stadtzu promenieren? In den Straßen gab es keineglänzend aus-gestatteten" Schaufenster; nur hier und da eine armselige Vitrinemit ein paar Atlasschuhen oder einigen Scheren und Messern odereinigen Pferdegeschirren: den Auslagen der Handwerker. Auch

waren die meisten Straßen noch eng uud winklig und keineswegs

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