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Die deutsche Volkswirtschaft im neunzehnten Jahrhundert / von Werner Sombart
Entstehung
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an d. niedrigen Prodnktivitätsgrad d, Arbeit unmittelbar erkennbar. 29

Zweitens aber durch menschliches Zutun. Nämlich durch diegrößere oder geringere Kunst, mit der die Menschen die Erzeugungder Güter betreiben: wenn eine vollkommenere Maschine erfundenwird, so kann auch (ohue daß die natürlichen Bedingungen sich ver-ändern) in einer kürzereu Zeit die gleiche Prodnktenmenge erzeugtwerden, d. h., wie Sie seheu, liebe Leserin, kann die Produktivitätder Arbeit wachsen. Zweierlei ist es mm, wodurch es denMenschen gelingt, von sich aus die Produktivität ihrer Arbeitzu steigern.

Das erste ist die Vervollkommnung dessen, was man dieVersahrungsweiseu oder auch die ökonomische Technik nennen kaun.Der Mensch lernt immer mehr Stoffe uud Kräfte der Natur fürseine Zwecke gebrauchen (denken Sie an die Errnngenschaften desletzten Jahrhunderts, an die Nutzbarmachung der Dampfkraft, derElektrizität!) und er ersinnt immer kunstvollere Weisen, wie er derStosse uud Kräfte nun auch wirklich Herr werden kann: er erfindetdie Werkzeuge, die Maschinen uud steigert damit unausgesetzt seineKunstfertigkeit, seine Arbeitskraft.

Das audere ist die Verbesserung in der Art und Weise, wieer nun die Ausführung der Arbeit bewerkstelligt, d. h. also in derOrganisation der Arbeit. Ich kann Ihnen hier alle diese Dingenur andeuten, über die Sie näheren Aufschluß in meinem Kapita-lismus finden. Es muß genügen, wenn ich feststelle, daß die Ver-vollkommnung der Organisation der Arbeit auf der immer geschick-teren Anwendung zweier Prinzipien: der Kooperation, >d. h. desZusammenwirkens vieler zu einem einheitlichen Effekt, und derSpezialisation, d. h. der Beschränkung des einzelnen Arbeiters aufTeile einer früher komplexen Arbeit, beruht. Wenn es jemandemgeläufiger ist, habe ich auch nichts dagegen, wenn er die Vervoll-kommnung der Arbeitsorganisation mit einer zunehmenden Diffe-renzierung und Jntegrierung der einzelnen Funktionen der Arbeitgleichsetzt. Die Analogie aus der Naturwissenschaft paßt uichtvöllig für das soziale Leben, aber doch soweit, als es für unsereZwecke notwendig ist.

Kommen wir zurück auf unsern Ausgangspunkt: wir wolltenAnhaltspunkte gewinnen für eine richtige Feststellung des Reich-