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Die deutsche Volkswirtschaft im neunzehnten Jahrhundert / von Werner Sombart
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Die äujzere Struktur des Wirtschaftslebens.

sie die Kultur eiues Volkes in seiner Bildung treibt, ans die Be-schaffenheit der Pflanze schließen, aus der sie hervorbrechen, sondernnicht minder sicheren Aufschluß über deren Wesen wird nns dieKenntnis des Erdreiches zu geben vermögen, in dem sie wurzelt,und des Samens, aus dem sie sprießt. Uubildlich gesprochen:wir werden auf den Reichtumsgrad eines Volkes zu schließen ver-mögen auch aus den Existenzbedingungen seiner Wirtschaft, wiesie vornehmlich in dem Produktivitätsgrad seiner Arbeit zumAusdruck kommen. Da diese Existenzbedingungen auch an undfür sich Interesse bieten, weil sie für die gesamte Lebensweise einerGemeinschaft bestimmend sind, so will ich über sie noch ein wenigmit Ihnen plaudern.

Ich sprach eben von Produktivität der nationalen Arbeit;wir können dafür auch Ergiebigkeit der Arbeit sagen. Darunterverstehe ich das Verhältnis, das zwischen einem bestimmten Auf-wande von Arbeit, wie ihn eine Nation in allen ihren an derGilterherstellung unmittelbar beteiligten Personen etwa im Laufeeines Jahres macht, und dem sich als Resultat dieser Arbeitergebenden Quantum von fertigen Gütern obwaltet. Also mandenke etwa an die Erzeugung des Getreides: es wird eine Anzahlvon Personen eine bestimmte Anzahl Tage im Jahre pflügen,eggen, ernten und dreschen müssen, um das fertige Getreide zuproduzieren. Drücken wir jetzt diesen ganzen Arbeitsaufwand ineiner Anzahl Arbeitsstunden und die Menge des erzeugten Ge-treides in einer Anzahl Hektoliter aus, so können wir die Pro-duktivität der auf den Getreideban verwandten Arbeit in dem Ver-hältnis der Zahl der Arbeitsstunden zur Zahl der Hektoliterziffermäßig angeben. Wenn etwa zn einer andern Zeit doppeltso viel Hektoliter Getreide in einer gleichen Anzahl Arbeitsstundenerzeugt werden, so sagen wir: die Produktivität der Arbeit istdoppelt so groß wie früher.

Nun fragt es sich: wodurch wird der Produktivitätsgrad derArbeit zu einer Zeit bestimmt? Offenbar durch zweierlei: Erstensdurch die Ergiebigkeit der Natur, in der ein Volk wirtschaftet: istein Acker doppelt so fruchtbar wie ein anderer, so liefert er beigleichen: Arbeitsaufwands den doppelten Ertrag, nicht wahr?