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Die deutsche Volkswirtschaft im neunzehnten Jahrhundert / von Werner Sombart
Entstehung
Seite
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durch die Eigenart der Bildung jener Zeit bestätigt

zart; man betrachtete und erbaute sich. Die Maler haßten dieFarben: das war der Gipfelpunkt, zu dem diese Richtung zu führenvermochte. Alles wurde literarisch, blutleer, schemenhaft, geistig,ideell. Heinrich Heine , der au der Schwelle einer neuen künst-lerischen Epoche des deutschen Lebens stand und das hartekommende Geschlecht im Geiste wenigstens voraussah, hat derStimmung seiner Zeit in den klassischen Worten znm prägnantenAusdruck verholfen: Man übte Entsagung und Bescheidenheit, manbeugte sich vor dem Unsichtbaren, haschte nach Schattenküssen undblauen Blumengerücheu, entsagte und flennte. Der Gedanke, dieIdee, die Gelehrsamkeit saßen als unumschränkte Herrscher aufdem Throne. Ihnen hatten die Künste, auch die bildende Knustund die Musik Untertan zu sein. Auch sie waren sinnig, nichtsinnlich. Und diese Grundstimmung war jahrzehntelang eine soallgemeine und verbreitete in Deutschland der alternde Goethehat als Fremder unter seinen: Volke geweilt, und es ist gewißkein Zusall, daß er erst jetzt als nationaler Genius in immerweiteren Kreisen verehrt wird diese sinnen-weltslüchtige Grnnd-stimmung, sage ich, war so selbstverständlich, daß man sie geradezuals eine dem deutschen Bolkscharakter eigentümliche glaubte an-sprechen zu sollen.Das Geistig-Schöne," meinte der schon öftersgenannte Julius Weber,ist das Eigentum der Deutscheu, wiedas Siuulich-Schöue das der Griechen." Während wir heute viel-mehr den Zusammenhang begreifen, der zwischen einer dürftigenmateriellen Kultur und einer vorwiegend literarisch-ästhetischeitBildung ebenso besteht wie zwischen Reichtum an äußerer Lebeus-gestaltuug und einer künstlerisch-sinnlichen Kultur. Alle Kultur-nationen haben ihre litcrarische Epoche solange sie noch nichtzu Reichtum gelangt sind, die von einer künstlerischen in demAugenblicke abgelöst wird, als Wohlleben und materieller Genußsich verbreiten, selbstverständlich im Nahmen des besonderenBolkstums, das seine Eigenart auch in der durch den Gang desWirtschaftslebens geschaffenen Gleichförmigkeit sehr wohl zur Geltungzu bringen weiß. Wir werden, wie ich schon sagte, diesen Gedanken-gängen später noch einmal begegnen.

Nun dürfen wir aber nicht nur zurück von den Blüten, wie