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Die deutsche Volkswirtschaft im neunzehnten Jahrhundert / von Werner Sombart
Entstehung
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Starke Eigenproduktion: in der Vanernwirtschast:

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für den weiten Umfang, den noch um die Mitte des nennzchntenJahrhunderts die Eigenproduktion (so nenne ich die Prodnktionsolcher Güter, die in derselben Wirtschaft, ii? der sie erzeugt werden,auch zum Verzehr gelangen) hatte. Weil es sich hier um die Schilde-rung von Zuständen handelt, deren Eigenart das frühere Wirtschafts-leben ganz besonders deutlich kennzeichnet, so will ich auch hieretwas genauer über Art uud Weise eigeuwirtschaftlicher Produk-tion in vergangenen Zeiten berichten. Der Leser wird abermalsdurch diese Schilderung erst den rechten Aufschluß erhalten überso manche Tatsache, die uns auf unserer Reise als merkwürdigaufgestoßen war: die Bauweise auf dem Lande, die Flachsfelder,die Webstühle in deu Bauernhäuseru und anderes mehr. Wenneinige Ausdrücke oder Begriffe in der folgenden Schilderung nichtvöllig verständlich sind, so bitte ich sich den Aufschluß auS demnächsten Kapitel zu entnehmen.

Treten wir in eine Bauernwirtschaft ein, fo finden wirnaturgemäß zunächst deu Nahrungsbedarf fast ausschließlich noch iueigener Wirtschaft gedeckt. Nur weniger gewerblicher Verrichtungenaußer dem Hause benötigt es, um die Nahrungsmittel in geuuß-reifen Zustand zu versetzen: hie und da suuktioniert der Haus-schlächter; doch ist er oft genug entbehrlich, und groß ist die Mengegeschlachteten Viehs, zumal des Großviehs, das mehr Schlachtkunsterheischt, in der Wirtschaft des Bauern nicht. Das Getreide wirdden über das ganze Land verstreuten Wasser- und Wiudmüllernzum Vermahlen und Verschroten übergeben. Gegen einen naturalenAnteil am vermahleuen Getreide meist den 16. Scheffel, seltengegen einen Mahllvhn in bar, verrichtet der Müller seine Arbeit.Das Mehl wird entweder im eigenen HauSbackofen verbacken, oderder Brotteig wird daheim zubereitet und dem Bäcker im Dorf zurFertigung übergeben, oder dieser erhält das Mehl, muß dafür einebestimmte Anzahl Brote zurückliefen: und bekommt für jedes Brotein paar Pfennige Backgeld. Der Wohnnngsbedarf ist gering.Noch dominieren das Lehm- und das Holzhaus neben dem Fachwerk-haus, mit dem Strohdach oder mit Schindeln gedeckt. Neubautensind naturgemäß säkulare Ereignisse. Was an Rohmaterialiengebraucht wird, liefert die Dorfgemarkuug: der Gemeindewald das

Sombart , Volkswirtschaft. 3