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Die deutsche Volkswirtschaft im neunzehnten Jahrhundert / von Werner Sombart
Entstehung
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Die äußere Struktur des Wirtschaftslebens.

Holz, der eigne Grund und Boden oder der des Nachbarn oder derGemeinde Bruchsteine, Lehm und Sand, das Stroh die eigeneWirtschaft. Gebaut wird allein oder mit Hilfe einiger Dorfgenossen,denen gelegentlich ein Gegendienst geleistet wird. Nötigenfallsbietet ein Zimmerer oder Maurer oder Glaser, der von Dorf zuDorf Pilgert, seiue Dienste gegen naturale Verpflegung und einenbestimmten Geldlvhnsatz an. Eine bekannte Erscheinung vor allemim östlichen Deutschland ist der wandernde Strohdachdecker undFlicker, oft russischer Abkunft. Aber die eigene Wirtschaft nnd dieArbeit der Familie liefern dem Bauern auch noch den größtenTeil der Kleidung, deren er bedarf. Ganz allgemein wird Flachsoder Hanf angebaut (daher die vielen blauen Felder, die wir aufunserer Reise beobachten konnten!), dazu wohl auch der zum Färbenverwandte Krapp. Wo die Schafzucht domiuiert, z. B. im NordwestenDeutschlands , ist es üblich, die Wolle für die eigne Kleidung zu ver-wenden. Den Flachs bringt man zum Seiler, der das Hecheln gegenLohn besorgt; andernfalls kommt der Weber ins Haus, um zuhecheln. Die Wolle wird dem Wollkämmer übergeben oder selbstzum Spinnen zubereitet. Nun geht es an die weitere Verarbeitung:die Spinnstube des Dorfes, die oft besungene, oft geschmähte, istder Ort, wo ein großer Teil des Flachses oder der Wolle seinerBestimmung weiter zugeführt wird. Das Gespinst wandert aufden eigenen Webstuhl im Bauernhanse; wo dieser fehlt, zumTorfweber, der gegen den Weblvhn seine Arbeit verrichtet. ImJahre 1846 waren noch 12,6°/<, aller Wvllwebstühle und gar 86,1 °/<,aller Leinwaudwebstühle solche, deren Inhaber die Weberei nurals Nebenbeschäftigung betrieb, d. h. also landwirtschaftender Lohn-weber oder hausgewerblich tätiger Landwirt war. Hat der Bauernicht eigene Färbevorrichtungen, so muß er zum Lohufärber diefertig gewebten Stücke tragen, der in der nächsten kleinen Stadtsein Handwerk treibt und znm großen Teil seinen Lebensunterhaltaus dieser lohnfärbenden Tätigkeit zieht. Einen Teil der Kleidungs-stücke Wäsche selbstverständlich ganz fertigt alsdann derweibliche Teil der Vauernfamilic. Wo deren Kunst versagt, er-scheint auf der Stör der flinke Schneider Typus Nosegger,der ein paar Tage der Woche im Bauernhause ißt, schläft und