— in der Gutswirtschaft; aber anch noch in städtischen Haushalten. Z5
hantiert und die Familie ausflickt, wv es not tut, oder mit neuenGewändern versieht, ein Ereignis, das in Jahren einmal fällig wird.
Ebenso wie in der Bauernwirtschaft wird auch iu der Guts-wirtschaft der damaligen Zeit ein wesentlicher Teil des Bedarfsan gewerblichen Erzeugnissen noch im Rahmen der Eigenproduktiongedeckt. Für die Herstellung und namentlich Reparatur der Ge-bäude, Gerätschaften:c. auf dem GutShof sorgt der im festen Kon-traktsverhältnis stehende Gutshandwerker: der Gutsschmied, Guts-stellmacher, Gutssattler, Gutsmüller, Gutszieglermeister u. s. w.Der letztgenannte Handwerker erinnert daran, daß auch das Bau-bedürfnis auf den Gütern, wie zum Teil heute noch, in eigenerWirtschaft befriedigt wurde. Dazu dienten die überall vorhandeneilZiegeleien uud Kalkbrennereien, während die übrigen Materialiender land- oder forstwirtschaftliche Betrieb selber lieferte. Nocheinfacher war die Eigenproduktion des Fachwerkhauses: Das Bau-holz ist wohlfeil, man hat es großenteils in eigenen Forsten, unddie übrigen Baumaterialien: Stroh und Lehm, überall. Die Tage-löhner des Gnts verrichten die wenigen, dabei vorkommendenMaurerarbeiten, auch viele Zimmerarbeiten, ja oft wohnen gelernteZimmerleute unter der Herrschaft im Dorf, die gegen Abrechnungbillig arbeiten. Die meisten Wirtschaftsgebäude bestehen aus Fach-werk, gekleimten Lehmwänden und Strohdächer». Ähnlich wie dieGemeindehandwerker erhalten diese Gutshandwerker ein in Natu-ralien bestehendes Deputat und etwas Geldlohn, wofür sie zur Aus-führung sämtlicher notwendig werdenden Arbeiten verpflichtet sind.
Aber anch der Nahruugs- und Kleidungsbedarf wenigstensder Gntsarbeiter, gering wie er ist, wird großenteils ohne Zuhilfe-nahme fremder, gewerblicher Arbeit gedeckt. Es wird gesponnen,gewebt und Wohl auch noch geschneidert und geschustert; selbstver-ständlich gebacken und geschlachtet in eigener Regie.
Naturgemäß war in den städtischen Haushalten die eigen-wirtschaftliche Produktion, namentlich was die Nahrungsmittel unddie Beschaffung des Wohngebändes anbelangt, erheblich mehr ein-geschränkt. Trotzdem müssen wir uns den Umfang der Güter, dieim Hause selbst erzeugt wurdeu, noch erheblich großer als hentevorstellen.
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