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Die deutsche Volkswirtschaft im neunzehnten Jahrhundert / von Werner Sombart
Entstehung
Seite
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Die äußere Struktur des Wirtschaftslebens.

Das Brot und namentlich Kuchenteig wurde gewiß noch inzahlreichen Familien zu Hause hergestellt und nur den: Bäckergegeu Lohn zum Verbacken übergeben. Auch die Hausschlächtereiwar bis in die besser gestellten Kreise größerer Städte hinein durch-aus noch nicht aus der Mode gekommen.Für den wohlhabendenMittelstand", erzählt uns Hoffmann noch für die 1830er Jahre,ist die Teuerung des Fleisches in den Schlächterläden nur eineVeranlassung, für den eigenen Bedarf einzuschlachten und sichhäufiger der gesalzenen und geräucherten Fleischspeisen zn bedienen."

Dann aber kam der große Kreis der Zuspeisen, die man ineigener Regie herstellte und in den Kellern uudSpeisekammern"aufstapelte: das Eingepökelte füllte die großen Fässer in denKellern, das Eingemachte die Kruken in den Kammern. Über die1820er Jahre berichtet uns Otto Bähr, daß in Kassel viele Be-wohner ein Gärtchen vor den Toren hatten, in denen der nötigeBedarf an Gemüsen, Früchten, Beeren selbst gezogen wnrde. Nochhantiert anch die städtische Hausfrau in der Küche, nur Seife zukochen, Lichte zu ziehen, Hausmuff zu brauen. Aber auch dieKleidung und die Hausgeräte entstanden vor einem halben Jahr-hundert noch zum großen Teil in der eigenen Wirtschaft. Bekanntist die anschauliche Schilderung, die Kiesselbach in seinem AussatzDrei Generationen" über das Treiben in eitlemstädtischenBürger- oder Beamtenhause" derguten, alten Zeit" entwirft.Die Spindel", heißt es da,war noch immer das Symbol derHausfrau; selbstgesponnenes Linnen zn tragen, war Ehre undStolz; eine heilsame Sitte war es, daß in allen Kreisen die Jung-frau nicht für eigentlich berechtigt galt, zur Ehe zu schreitet?, ehesie die Aussteuer aus sclbstgesponnener Leinwand beschaffen konnte.Dem Weber des Hauses wurde das Garu überliefert, er hatte dieLeinwand zu fertigen; für die Bleiche sorgte wiederum die Haus-frau. Aber nicht nur an Leinwand, auch an Tuch, felbst anLeder hielt man eigene, sorgfältig bereitete und gewählte Vorräte;die Schränke mußten vollgefüllt sein. Das Weißzeug, die Kleider,die Beschuhuug (?) selbst wurden im Hause gefertigt; der Schneider,der Schuster kam dazu als technischer Gehilse. Auch Polsterwarenund Betten entstanden in ähnlicher Weise. Von selbstgeschlachtetem