38
Die äußere Struktur des Wirtschaftslebens,
ständige berufsmäßige Tätigkeit ausgeübt, sondern wiederum inVerbindung mit der produktiven Tätigkeit; d. h. die Güterprodu-zeuteu (Landwirte, Gewerbetreibende) besorgten in eigener Personanch den Absatz ihrer Erzeugnisse. Endlich müssen wir uns vor-stellen, 'daß die Verarbeitung der Rohstoffe zu Gebrauchsgegen-ständen — nur nennen diese Tätigkeit gemeinhin Gewerbe imGegensatz zur Land- und Forstwirtschaft, die die Rohstoffe aus derErde gewinnt, sowie dem Bergbau, der eiue besondere Stellungeinnimmt — eine viel weniger entwickelte nnd vervollkommnete,also im wesentlichen wiederum weniger differenziierte war, als siees heutzutage ist. Heute haben wir von jeder Warengattung gleichimmer ganze Kollektionen verschiedener Gegenstände, wo es frühernur einige wenige Arten gab. Unser Vorrat von gewerblich her-gestellten Gebrauchsgütern ist mit anderen Worten ein unendlichviel reicherer als ehedem.
Alle diese Eigenarten der äußeren Organisation des Wirt-schaftslebens in früherer Zeit sind nun aber deshalb vou so hoherBedeutung, weil sie für den gesamten äußeren Aufbau der da-maligen Gesellschaft bestimmend wnrden. Der Leser muß sichnämlich an den Gedanken gewöhnen, daß äußere und innereStruktur der Gesellschaft vor hundert Jahren eilte völlig anderewar, als er sie von heute kennt (oder auch nicht kennt).
Zunächst machen wir die wichtige Beobachtung, wenn wir dieZisserreiheu dnrchmustern, die uns ein Bild der Verteilung derBevölkerung nach Berufen geben, daß vor hundert Jahrenviel mehr Menschen in der Landwirtschaft tätig waren als heute.Natürlich. Denu wir wissen ja, daß die Landwirte noch vielfachdie gewerblichen Erzeugnisse in eigener Wirtschaft herstellten, dieheute von selbständigen Gewerbetreibenden angefertigt werden, daßaber auch die Gewerbetreibenden, Lohnarbeiter u. s. w. meist neben-her Landwirtschaft betrieben. Dazu kam noch (worüber ich michgleich näher auslasse), daß das damalige Deutschland mit seinenVodenerzeugnissen auch noch das Ausland zum Teil mit ernährte.So wird niemand erstauuen, weuu er erfährt, daß vor hundertJahren von der Bevölkerung etwa zwei Drittel landwirtschaftlichtätig waren und nur ein Drittel im Gewerbe, im Handel nnd