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Die deutsche Volkswirtschaft im neunzehnten Jahrhundert / von Werner Sombart
Entstehung
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überwiegen der landwirtschaftlichen Bevölkerung. 39

anderen Berufen, während jetzt das Verhältnis etwa das um-gekehrte ist. Was sich auch so ausdrücke» läßt: es gab vor hundertJahren im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung viel weniger Personen,die in der Sphäre der gewerblichen Produktion oder des Handelsbeschäftigt waren (letzteres noch insbesondere deshalb, weil ja, wiewir sahen, die berufsmäßige Ausübung des Handels uoch nicht soverbreitet war wie hente). Diese überragende Bedeutung des land-wirtschaftlichen Berufes blieb unverändert bis in die Mitte desJahrhunderts; erst seitdem wächst der Anteil rasch, den die gewerb-liche nnd handeltreibende Bevölkerung an der Gesamtbevölkerungnimmt. Ich will hier einstweilen nur ein paar Ziffern hersetzen,die den Unterschied zwischen damals und heute noch greifbarer vorAugen führen. So wurden beispielsweise im Königreiche Preußen Erwerbstätige im Handel (also Leute, die den Handel zum Berufgemacht hatten) 1843 erst 97 auf je 10 000 Einwohner gezählt, 1895dagegen 240. Und dasselbe gilt von der gewerblichen Tätigkeit. Nochim Jahre 1846 kamen 10 Gewerbtätige erst auf 122 Einwohner,jetzt schon auf 65 oder mit anderen Worten: noch vor 50 Jahrenwar noch nicht jeder zwölfte Deutsche einer, der sein ganzes Lebenlang in der gewerblichen Produktion, d. h. also der Güterverarbeitungtätig war, heute ist es schon jeder sechste. Übrigens komme ichmehrfach in anderem Zusammenhange auf die Verschiebung in denBerusssphären zurück. Man wird in weiterem Verlauf der Dar-stellung die hier mitgeteilten Ziffern zu ergänzen vermögen.

Eine Erscheinung, die engstens mit den eben besprochenen Tat-sachen zusammenhängt, ist nun aber das Überwiegen der länd-lichen Bevölkerung im ganzen über die städtische. Begreiflicher-weise wiederum. Denn wenn soviel mehr Personen in der Landwirt-schaft tätig waren, so lebten auch soviel mehr auf dem Lande alsin Städten. Wir dürfen annehmen, daß vor hundert Jahren einknappes Viertel der Bevölkerung in Städten lebte, drei Viertel aufdem Lande. Daß aber auch die städtische Bevölkerung noch starkagrarisch durchsetzt war, hatte ich schou gezeigt. Hier will ich dieAufmerksamkeit nur noch auf die Grvßenverhältnisse der damaligensoi-clisant Städte lenken. Man wird erstaunen, wie klein diemeisten Städte waren, nnd wie wenig Großstädte oder auch nur