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Die deutsche Volkswirtschaft im neunzehnten Jahrhundert / von Werner Sombart
Entstehung
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5.4

Die innere Organisation des Wirtschaftslebens.

schnftsplan Bestimmungen über den gemeinsamen Weidegang desViehs, d. h. den Auftrieb der zu den Dorsherden vereinigten Kühe,Schweine, Gänse?c., sei es in den Wald, auf die als ewige Weidegenutzte Allmende, sei es auf die Stoppel- oder Brachweide. Eslag nämlich auch in der Anlage des dorflichen Wirtschaftsplanes,daß das Ackerland von Zeit zu Zeit nicht bestellt wurde, fondernals Brache liegen blieb, um es sich wieder erholen, neue Kräftesammeln zu lassen. Das war bei der geringen Düngerproduktion,die wiederum eine Folge der übermäßigen Bevorzugung des Ge-treidebaues war, sowie bei dem niedrigen Stande der Kenntnissevvn den Bedingungen des Pflanzenwachstums durchaus erforderlich,wollte man nicht Gefahr laufen, daß der Boden sich ganz und garerschöpfte. Ich bemerke in Parenthese, daß in dieser agronomischeuKonstellation ein deutliches Symptom sehr geringer Produktivitätder Landwirtschaft zu Tage tritt, dank eben der unentwickeltenagrarischen Technik jener Zeit. Die Perioden aber, in denen dasAckerland brach liegen mußte, waren in der Mehrzahl der Fälledreijährige. In den beiden andern Jahren baute man auf demAcker hintereinander Winterkorn (Roggen oder Weizen) und Sommer-korn (Gerste, Hafer, Sommerroggen oder Sommerweizen). Folg-lich mußte in einem Jahre von der ganzen Flur ein Drittelmit Winterkorn, ein Drittel mit Sommerkorn angebaut seiu,während das dritte Drittel brach lag und als Weide genutzt wurde.Wegen dieser räumlichen Dreiteilung deS Ackerareals, oder (zeitlich)des dreijährigen Turnus der Fruchtfolge nannte man diese Wirt-schaftsweise Dreifelderwirtschaft. Es war amBeginne des neun-zehnten Jahrhunderts, auch in den gleich zu besprechenden Guts-wirtschaften, noch durchaus das in Deutschland vorherrschende An-bausystem, nur hie und da dadurch verbessert (daherverbesserteDreifelderwirtschaft"), daß mau im dritten Jahre, dem Brachjahre,in das Feld eine Futterpflanze, insonderheit Klee einsäte; d. h.die Brache besvmmerte. Dieses Verfahren hatte den großen Vor-zug, eine ausgedehntere Viehhaltung und damit vermehrte Dünger-prodnktion und also eine Hebung der Bodenkräfte zu ermöglichen.

Nun deutete ich aber schon an, daß an dieser dorfwirtschaft-lichen Verfassung Feudalismus und Gutswirtschaft mancherlei