zu schließen. Da ergibt sich denn Wohl, daß übermäßig große Ver-änderungen in dem Besitzstande der einen oder der andern Wirtschafts-form während des neunzehnten Jahrhunderts kaum irgendwo ein-getreten sind. Mit Bestimmtheit läßt sich nur soviel sagen, daß derBestand an bäuerlichen Wirten sich jedenfalls im Laufe des Jahr-hunderts verringert hat aus Kosten der Gutswirtschafteu. Und zwarvollzieht sich diese Verschiebung wesentlich in dem Preußen östlichder Elbe, jenem Landesteil, den man neuerdings in der Spracheder Zeitungsschreiber „Ostelbien" nennt. Denn hier allein hat dieGutswirtschaft eine größere räumliche Ausdehnung erlangt und, wiegesagt, bis heute bewahrt, wie ich später noch einmal genauerdurch einige Ziffern dartuen werde. Doch handelt es sich imiuernur um ganz geringe Verschiebungen! nach Max Seriugs Be-rechnungen beträgt für das umschriebene Gebiet der Nettoverlustder Bauernschaft an den Großgrundbesitz von 1816 bis 18591,6 Und seitdem sind die Verluste eher geringer geworden undin neuer Zeit dnrch die systematische Kolonisiernng der östlichenProvinzen Preußens sogar zum Teil schon wieder wett gemacht.Sodaß wir getrost sagen können: das Bild der Verteilung desGrund und Bodens in Deutschland zwischen Baner und Gutsherrwar vor hundert Jahren annähernd das gleiche wie das heutige,das ich, wie gesagt, bei einer späteren Gelegenheit skizzieren werde.
So etwa sah es auf dem Lande vor hundert Jahren inDeutschland aus. Nun will ich im nächsten Abschnitt die analogeSchilderung der Wirtschaftsorganisation für die Städte entwerfen.Richtiger: ich will versuchen, die alte gelverbliche Verfassung demLeser ebenso in ihren Grundzügeu vor Augen zu führen, wie ichihm die wesentlichen Punkte der Agrarverfassnng augedeutet habe.
II. Das Handwerk in Gewerbe und Handel.
Diejenige Organisation, die das gewerbliche Leben in Deutsch-land zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts noch fast aus-schließlich beherrschte, ist die handwerksmäßige. Sie war, wie ichschon sagte, zwar nicht in ganz so langem Wachstuni wie dieDorfwirtschaft entstanden, trug aber doch eine beinahe tausend-jährige Vergaugeuheit auf ihrem Rücken. Sie hatte ihre Blütezeit