58
Die innere Organisation des Wirtschaftslebens.
weiden läßt, nicht etwa bloß auf seinen Äckern, sondern auf allenÄckern: auch auf denen der Bauern. Wie werden nun die guts-herrlicheu Äcker bestellt, da man ans dem herrschaftlichen Hofe keinZugvieh hat? Das geschieht durch die Frondienste der Bauern.Der Inspektor — wie wir heute sagen würden — sagt denBauern am Abend vorher an, wo sie sich mit bespanntem Pflugoder mit bespannter Egge morgen früh einzufinden haben. Danngeht eS aufs Feld hiuaus, und unter Zanken und Fluchen wirdder träge Gaul und der widerwillige Mann zu seiner verdammtenPflicht und Schuldigkeit angehalten. Kommt die Zeit der Ernteheran, so werden, neben den Spanndiensten, die Handdienste derkleinen Leute wichtig; es versteht sich durchaus von selbst, daß derHerrendienst allem andern vorgeht. Im Winter müssen die kleinenLeute das Getreide ausdreschen und der Bauer muß das Getreideauf den nächsten Marktplatz fahren, wieder mit seinem Gespann,viele Meilen weit. So ist alles, was an Arbeit für den Guts-herrn nötig ist, auf die Bauern verteilt oder, richtiger gesagt, aufdie Einwohner des Dorfes, mögen sie eigentliche Bauern seiu oderuicht, das heißt: mögen sie einen Baueruhos bewirtschaften odernicht. Und daraus ergibt sich, daß der Gutsherr, ebenso wie erkein Zugvieh auf seinem Hofe hält, auch keine Arbeiterwohnungeuin der Nähe seines Hofes braucht; denn er hat keine besondernLandarbeiter; die Arbeit wird ja von den Einwohnern seinesDorfes verrichtet, sie ist ans diese Einwohnerschaft je nach derenKräften, sei es als Spanndienst oder als Handdienst, verteilt; sieist vielleicht sehr drückend, aber sie ist doch in gewissem SinneNebenbeschäftigung nämlich iu dem Sinne, daß weitaus die meistenEinwohner des Dorfes auch eine eigne Wirtschaft führen, sei esals Bauern oder als Kossäten oder als Büdner, Häusler, Kätner.So sah es zur Zeit der Froudienste aus."
Gern würde ich nnn auch noch einiges darüber mitteilen, wiesich denn Vauernwirtschaft und Gntswirtschaft in das Deutschland vor hundert Jahren teilten, wenn ich nur selber genaueres darüberwüßte. Natürlich fehlt eine allgemeine Eigentums- oder Betriebs-statistik sür die damalige Zeit. Wir sind deshalb darauf ange-wiesen, aus einzelnen Überlieferungen auf die gesamte Gestaltung