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Die deutsche Volkswirtschaft im neunzehnten Jahrhundert / von Werner Sombart
Entstehung
Seite
61
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Wesen des Handwerkers.

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Aber wovon wir ausgingen: der Handwerker besitzt nicht nurdas für die Ausübung seines Gewerbes notwendige Sachvermögen,er besitzt auch alle dazu erforderlichen persönlichen Eigenschaften:er ist eine Art von gewerblichemHerrn Mikrokosmos". Wasspäter sich in zahlreichen Individuen zu besonderen Neraulagnngenauswächst: das alles vereinigt der Handwerker auf seinemEhren-scheitel". Selbstverständlich alles in einem en-nunmwre-Ausmaße.Seiner Universalität entspricht mit Notwendigkeit seine Mittel-mäßigkeit. Mau kann eine handwerksmäßige Organisation auchals eine solche bezeichnen, in der die Mittelmäßigkeit das dieProduktion regelnde Prinzip ist.

Der Kern des Handwerkertums ist seine Qualifikation alsgewerblicher Arbeiter, in dem Sinne, daß er die technischen Fähig-keiten besitzt, die zur Herstellung eines Gebrauchgegenstandes aneinem Rohstoff vorzunehmenden Handgriffe auszuführen. Aber mitdieser, sagen wir technischen, Veranlagung vereinigt er: die etwaerforderliche künstlerische Konzeption, das künstlerische Empfinden,die für die Produktion, insbesondere auch für die Tradition desproduktiven Könnens erforderlichen Kenntnisse, um nicht denirreführenden Ausdruck zu gebrauchen: wissenschaftliche Qualifi-kation. Daneben funktioniert er als Organisator ebensowohl wieals Leiter der Produktion. Er ist Generaldirektor, Werkmeister undHandlanger in einer Person. Er ist aber auch Kausmaun. AlleEinkaufs- und Verkausstätigkeit, alle Absatzorganisation, kurz alles,was später als spekulative Begabung sich in einigen überdurchschnitt-lichen Persönlichkeiten absondert, umfaßt seiu persönliches Vermögen.

Mir scheint, als ob es zwei. Punkte vor allem seien, ansdie das Streben des Handwerkers gerichtet ist: ein standes-gemäßes Auskommen und Selbständigkeit. Ein standesgemäßesAuskommen strebt er an, nicht weniger, aber vor allem auch nichtmehr. Seine gewerbliche Arbeit soll ihm gerade wie dem Bauerndie materielle Basis für seine Existenz: seineNahrung" verschaffen,das Handwerk soll seinen Mannnähren". Das ist der Grund-ton, der durch alle Äußerungen des Handwerks seit seinem Bestehenhindurchtlingt. Ursprünglich ist dieses Streben der Ausfluß naivenMenschentums, erst allmählich wird man sich seiner bewußt, formn-