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Die deutsche Volkswirtschaft im neunzehnten Jahrhundert / von Werner Sombart
Entstehung
Seite
67
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Handwerksmäßiger Charakter d, Großindustrie und des Handels. g?

In dieses Gefüge handwerksmäßiger Organisation war nunauch zn Beginn unseres Jahrhnnderts nvch alles eingegliedert, wasDeutschland etwa an sogenannter Großindustrie besaß. Auchdie von kapitalistischen Unternehmern (über deren Wesenheit ichspäter erst Auskunft geben kann) geleiteten Wirtschaften tragen dieEierschalen der Handwerksmäßigkeit an sich. Die Betriebe, indenen produziert wird, sind klein; Fabriken großen Stiles fehlenfast völlig. In sehr vielen Fällen ist sogar die alte handwerks-mäßige Betriebsorganisation ganz unverändert geblieben, und derUnternehmer hat lediglich dasjenige übernommen, was man nichtganz genau die kaufmäuuische Organisation des Warenvertriebesnennt. Das trifft z. B. für einen großen Teil der Textilindustriezu, in der auch in der sogenannten großindustriellen Organisationdie einzelnen Arbeiter noch daheim in ihrer Behansung beschäftigtwerden: das ist die sogenannte hauSindnstrielle Organisation, vonder ich später auch noch mehr erzähle. Außer der Textilindustrie(Spinnerei und Weberei) war es eigentlich nur noch die Montan-industrie (Bergbau und Eiseugewinnuug), in der auf etwas größererStufenleiter produziert wurde. Aber liberal! das wolle manbedenken! noch mit ungefähr derselben Technik, wie sie derkleine Handwerker anwandte. Kanm eine einzige Dampfmaschinein Tätigkeit! Von modernem wissenschaftlichem Verfahren nochkeine Spur! Kurz: Handwerk im großen. Mehr war auch dieIndustrie" noch nicht.

Und was sich von der Organisation der Gewerbe sagen läßt,gilt im wesentlichen auch von der Organisation des Handels:anch diese war von den Grundgedanken des Handwerks erfüllt.Am deutlichsten trat dies zu Tage natürlich bei den kleinen Krämernin Stadt nnd Land, die den Detailvertrieb an die Kundschaftbesorgten. Aber auch dieGroßhändler" dürfen wir uns nichtnach modernem Muster vorstellen. Auch sie wareu uoch vonhandwerksmäßigem Geiste erfüllt, und der Umfang ihrer Geschäfteging meist über handwerksmäßigen Nahmen nicht hinaus. EineEigenart des Handels in früherer Zeit war seine Wanderhaftigkeit.Der Meßverkehr, der sich namentlich auf die Orte Frankfurt a/O.und Frankfurt a/M., Naumburg a/S. und Leipzig konzentrierte.