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Die deutsche Volkswirtschaft im neunzehnten Jahrhundert / von Werner Sombart
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Die treibenden Kräfte.

die durch Nutzung des Sachvermögens ausgelösten Kräfte undFähigkeiten beliebiger anderer Personen. In diesem Umständeliegt die Erklärung für die ungeheure Energie, die alle kapitalistischeWirtschaft zu entfalteu vermag.

Und wie das Ausmaß des Vollbriugens im Nahmen derkapitalistischen Unternehmung ins schrankenlose geweitet wird, sowird auch in ihr die Energie der Zwecksetznng gleichsam objektiviert,d. h. abermals von den Zufälligkeiten der Individuen unabhängiggemacht. Durch einen komplizierten psychologischen Prozeß erscheintdie Verwertung des Kapitals das ist also der Zweck jeder kapi-talistischen Unternehmung schließlich dem Eigentümer eines Sach-Vermögens, das das dingliche Snbstrat einer solchen bildet, alseine sich ihm in ihrer zwingenden Gewalt aufdrängende objektiveNotwendigkeit. Das Gewinnstreben oder der Erwerbstrieb, diegewiß ursprünglich höchst Persönliche Seelenstimmungen waren,werden damit objektiviert.

Der Eigenart des Zwecks entspricht die Eigenart der Mittel,deren sich die kapitalistische Unternehmung bedient. Stets undüberall läßt sich die iu ihr entsaltete Tätigkeit zurückführen aufeine Summe von Vertragsabschlüssen über geldwerte Leistungund Gegenleistung, auf deren geschickte Bewerkstelligung am letztenEnde die Kuust des Wirtschaftsleiters hinansläust und derenInhalt entscheidend ist für die Frage, ob die Zwecke der Unter-nehmung erreicht sind. Mögen Arbeitsleistungen gegen Sach-güter oder Sachgüter gegen Sachgüter eingetauscht werden: immerkommt es darauf allein an, daß dabei am letzten Ende jenesPlus an Sachvermögen in den Händen des kapitalistischen Unter-nehmers zurückbleibt, um dessen Erlangnng sich seine ganze Tätig-keit dreht. Iu der Beziehung auf das allgemeine Warenäquivalent,auf die Verkörperung des Tauschwertes im Gelde wird aller In-halt der Verträge über Lieferung von Waren oder Arbeitsleistungenjeglicher qualitativen Unterschiedlichkeit beraubt und nur noch quan-titativ vorgestellt, sodaß nun eine Aufrechnung in dem zahlenmäßigenDebet und Kredit möglich ist. Daß das Soll und Haben desHauptbuchs mit einem Saldo zu Gunsten des kapitalistischen Unter-nehmens abschließe: in diesem Effekt liegen alle Erfolge wie aller