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Die deutsche Volkswirtschaft im neunzehnten Jahrhundert / von Werner Sombart
Entstehung
Seite
79
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Eigenart der Tätigkeit des kapitalistischen Unternehmers.

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Inhalt der in der kapitalistischen Organisation unternommenenHandlungen eingeschlossen.

Daraus ergeben sich nun aber im einzelnen Wesen und Artder Tätigkeit des kapitalistischen Unternehmers (oderseines Nempln^ant). Diese ist nämlich stets wie ersichtlich einedisponierend - organisierende. Damit ist gemeint, daß sie imwesentlichen gerichtet ist auf die Jnbeziehungsetzuug andererPersonen. Dem Wesen kapitalistischer Organisation völlig fremdist die höchst persönliche, individuell-isolierte Werkschöpsung deseinsamen Arbeiters. Es ist die Eigenart künstlerischen oder wissenschaftlichen Vollbriugens, daß es die Menschen flieht. Und vondiesem Hang alles Schöpferischen zur Einsamkeit hat sich derHandwerker noch ein gut Teil bewahrt: am letzten Ende beruhtsein bestes Vollbringen in der Mitteilung seiner Persönlichkeitan den toten Stoff. Während hingegen der kapitalistische Unter'nehmer in der Einsamkeit notwendig verkümmern müßte, weiler vom Kommerzium lebt. In diesem Angewiesensein auf die un-ausgesetzte Verknüpfung von Menschen untereinander liegt diespezifisch gesellschaftsbildende Kraft der kapitalistischen Unternehmung.Man kann sie daher auch als Verkehrsunternehmung, die von ihrbeherrschte Wirtschaftsweise füglich als Verkehrswirtschast bezeichnen.

Die Tätigkeit des kapitalistischen Unternehmers ist aber weitereine kalknlatorisch-spekulative. Das Symbol dieser Wirtschaftsformist das Hauptbuch: ihr Lebensnerv liegt in dem Gewinn- und Ver-lustkonto. Im Konto: im Rechnen. In der Übersetzung jedesPhänomens in das Ziffernmäßige, im Aufrechnen und Gegenrechnen,in der uackten Geldmertung jeder Leistung. Die Idee einer not-wendigen Kougrueuz zwischen Leistung und Gegenleistung ist damitin die Welt gekommen. Wir können diese Seelenveranlagung, diesolchem Verhalten zu Grunde liegt, die Nechenhaftigkeit nennen.Aber das Rechnen des kapitalistischen Unternehmers ist bei derMannigfaltigkeit der Beziehungen, die er in seinem Geschäfts-interesse knüpfen muß, oft genug ein Nechneu mit unbekanntenGrößen. Das macht seine kalkulatorische Tätigkeit zu einer speku-lativen. Es ist eine ganz eigenartige psychologische Mischung, diedurch das Nebeneinander von Kalkulation und Spekulation, von