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Die treibenden Krcifle.
Zeit zu Zeit das Gcwinnstreben zunächst kleinerer Kreise eiueuübcrnormalen Grad von Intensität erreicht, zur Gewinnsucht aus-artet, die wie eine fiebrige Krankheit rasch und reißend um sichgreift. In solchen Zeiten dringt der ansteckende Stoff in weitereVolksschichten hinein, die dann dauernd von ihm behaftet bleiben,bis schließlich — nach immer wiederholtem Fieberanfall — derganze Volkskörper infiziert ist; falls nicht etwa Reaktions-erscheinungen auftreten, die uns aber hier nicht interessieren.
Welches aber sind in dem modernen Wirtschaftsleben diePerioden des Erwerbsparoxysmus? Nnn, naturgemäß die-jenigen Zeiten, in denen eine starke Möglichkeit geboten wird, schnellzu Reichtum zu gelangen. Denn dadurch wird die heutigentags latentimmer vorhandene Geneigtheit zur Bereicherung erst in einzelnenbesonders anfälligen Konstitutionen, dann durch den Antrieb derNacheiferung, des Neides und tausend andrer Seelenstimmungenin immer mehr Individuen zur freien Entfaltung gebracht. SolcheZeiten sind aber gegeben, wenn (aus irgeud einem Grunde) raschund anhaltend die Preise der Produkte steigen und gleichzeitig dieFonds, die dem modernen Wirtschaftsleben die ursprünglichenMittel zur Ausübung erwerbender Tätigkeit liefern — dieEdelmetallvorräte — eine große und konstante Vermehrung er-fahren.
Steigende Preise geben einen doppelten Anreiz: zum Ankaufvon Waren, mit dem Zwecke vorteilhafter Weiterveräußernng undzur Produktion von Gütern selbst. Es ist nur eine Kombinationdieser beiden Bereicherungsmöglichkeiten, wenn man zu gewinnensucht durch deu Handel mit Aktien und ähnlichen Werten, dieAnteilsberechtigungen an gewinnbringenden Unternehmungen sind.Es ist weiterhin klar, daß diese Betätigung im Handel mit Warenoder Effekten und Begründung neuer Produktions- oder Verkehrs-uuternehmungen um so größeren Spielraum findet, je mehr Mittelan barem Gelde dafür flüssig gemacht werden. Es werden abersolche Mittel um so reichlicher zur Verfügung stehen, je größer derZuflnß von Edelmetall in einem Lande ist. Denn dieser wirktaus naheliegenden Gründen (von denen ich einige noch genauerdarlegen werde) vermögenbildend, d. h. häuft in einzelnen Händen