Die Gründerperiode im Anfang deS neunzehnten Jahrhunderts. 87
direkte Zufuhr von Edelmetallen. Ich erinnere an die Gelder,die beispielsweise im Jahre 1796 die englischen Truppen und derenVerbündete in Niedersachsen ließen und ähnliche Anlässe. Endlichaber müssen wir der Subsidien gedenken, die verschiedene deutsche Staaten während der ganzen zweiten Hälfte des achtzehnten Jahr-hunderts vom Auslande bezogen. Ein guter Kenner (Gustavvon Gülich ) berechnet, daß seit der Mitte des achtzehnten Jahr-hunderts als Subsidien und Bestechungsgelder von Frankreich andeutsche Fürsten, deutsche Staatsmänner und Gelehrte 137 226 152Livres, von England als Subsidien 46 696 576 ^ gezahlt wordenseien. Das wäre in unserm heutigen Gelde mehr als eine MilliardeMark; ein für die damalige Zeit enormer Betrag, dessen relativeHohe wir aus dem Umstände zu ermessen vermögen, daß er (nachAnsicht desselben Gewährsmannes) nicht erheblich hinter demWerte des gesamten Exports zurückstand. So daß wir dem UrteilGülichs werden zustimmen müssen: „überhaupt nahmen die Geld-massen in Norddeutschland ungeheuer zu."
Gleichen Schritt mit dieser Vermehrung der Edelmetalle hieltnun aber die Bildung größerer Vermögen. Daß jene Emigranten-samilien schon mit erheblichen Vermögen in Deutschland erschienen,erwähnte ich bereits. Aber auch in den Händen deutscher Besitzersammelten sich große Vermögen an, die teils der Kriegslieferung,teils der Bewerkstelligung von Finanzoperationen, teils der Handels-tätigkeit, die infolge der durch die Kriegswirreu und namentlichdie Kontinentalsperre geschaffenen Monopolstellung der deutschen Seeplätze äußerst lukrativ geworden war, teils den Gewinnen ausder Landwirtschaft, die für den Export arbeitete, ihre rasche Ent-stehung verdankten.
Es erwachte nun iu den Trägern jener Vermögen angesichtsder allgemeinen günstigen Konjunktur die Lust am Gewinn, dasStreben, ihre Gelder durch glückliche Spekulation zu vergrößern.Wir beobachten seit den Zeiten der Fugger zum ersten Male wiederin Deutschland ein Hasten und Drängen nach Erwerb auf kapita-listischem Wege. Aber wir können doch auch ganz deutlich dieEigenart dieser ersten — sagen wir einmal — Gründcrperiodeerkennen, die sie von allen späteren spekulativen Zeiten während