Fünftes Kapitel.
Das Tand.
Das Landgebiet des Deutschen Reichs in seiner Bedeutungfür Deutschlands wirtschaftlichen, sagen wir einmal Aufschwung imneunzehnten Jahrhundert darzustellen, ist keine so ganz leichte Auf-gabe, Denn was sich dem aufmerksamen Beobachter zunächst dar-bietet, wenn er seinen Blick über die Landkarte schweifen läßt oderwem? ihn seine Reisen oder sein Wohnsitz in die verschiedenen Teiledes großen Reiches verschlagen, ist die außerordentliche Mannig-faltigkeit der geographischen Gestaltung unseres Vaterlands.
Vor allem ist es der große Gegensatz von Niederland undHochland, der Deutschland vor allen Ländern auszeichnet. Inkeinem andern Völker- und Staatengebiete Europas , bemerkt darüberein so ausgezeichneter Kenner des deutschen Landes wie Kutzen mitRecht, findet eine so eigentümliche senkrechte Gliederung statt, inkeinem ein solcher Gegensatz massenhafter Trennung und massen-haften Nebeueiuauderliegens einer fast völlig flachen und eiuer fastdurchgängig mit Gebirgen und Hochebenen gefüllten Hälfte. Ruß-land mit Polen besteht aus einer einzigen ungeheuren Ebene vonFeldern, Wäldern und Steppen, die im Innern an mehrerenStellen nur durch einige Hügelreihen und Landrücken eine Unter-brechung erleidet nnd erst an den weit entlegenen Grenzen teil-weise von hohen Gebirgszügen umschlossen wird. Auch iu demschachbrettartig gegliederten Frankreich hat die Ebene wenigstenseiniges Übergewicht, obwohl es an Gebirgslandschaften nichtsehlt; aber nnr eine (die der Cevennen) befindet sich in seinemInnern, die übrigen liegen gegen die Grenzen hin. In Spanien herrscht das von Gebirgsketten durchzogene und umrandete Hoch-