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Das Land.
land, das für weite Ebenen fast keinen Raum läßt. Die Balkan-halbinsel ist von mächtigen Gebirgen erfüllt, die mit viel größerenund kleineren Armen nach allen Seiten ausgreifen nnd dadurchein Gitterwerk zahlloser kleiner Gebirge und Ebenen gestalten.Ebenso durchzieht Italien der lange Gebirgszug der Apenninen,links und rechts viele Äste aussendend, die sich wiederum vielfachverzweige,?, uud nur im Norden weitet es sich zu einer größerenEbene. Die gewaltige, vielfach zerklüftete Felsmasse von Skan-dinavien ist gebirgig im Norden wie im Süden, mit wenig Spiel-raum für umfassende Ebenen. Und endlich England hat zwar imWesten weit mehr das Gepräge eines Gebirgslandes als in demöstlichen Teile, aber auch dieser ist fast durchweg Hügelland. DieBergleichung Deutschlands mit den übrigen Ländern Europas be-lehrt uns zugleich, daß in allen diesen mehr oder weniger einegewisse Naturform der Oberflächenbildung, in Deutschland dagegendie größte Mannigfaltigkeit vorwaltet. Wir treffen hier einenreichen Wechsel harmonisch geordneter Hochgebirgsländer, Hoch-flächen und Stufenländer mit den verschiedenartigsten Stromnetzen,ferner Mittelgebirge aller Art und weite Flach- und Tiefländer.Wir finden hier das Tiefland des slawischen Ostens, den eigen-tümlichen Wechsel zwischen Bergland und welliger Ebene derbritischen Inseln, die überraschende Mannigfaltigkeit der griechischen,die Regelmäßigkeit der italienischen und die Hochlandbildung derspanischen Halbinsel. Deutschland ist also vor allen übrigen Ländernmit dem Charakter Europas überhaupt ausgestattet, welches nichtwie andere Erdteile eine bestimmte herrschende Eigenart in sich trägt,sondern eine Vereinigung aller Oberflächenformen und diese in dergrößten Mannigfaltigkeit auf seinem Raume darbietet.
Aber man wird doch, um Deutschland vollständig zu charak-terisieren, hinzufügen müssen: allerdings enthält es von allem etwas:aber alles in einem bescheidenen Mittelmaße. Man wird das zu-geben können, ohne darum aufzuhören, das Land als Heimat zulieben. Der Samojede liebt seinen von Eis und Kieseln bedecktenErdrücken, auf dem er Lieb und Leid erfahren, auf dem er seineBrüt großgezogen hat, nicht weniger, ja vielleicht noch Würmer undinniger als der Schweizer seine schönen Berge oder der Campane