sein Liristal. Aber, was Theodor Fontane von der Mark Branden-burg sagte, bleibt doch eben zn recht bestehen, wenn es sich um sodürftige Strecken Landes handelt, wie sie das Deutsche Reich um-spannt: man muß dort geboren sein, um sie lieben zu können. Essehlt uns das volle Schöne nicht minder wie das grandios Odeoder Schreckliche in uusern Landen. Nichts von der monotonenEndlosigkeit der russischen Steppen, über denen Sommer nndWinter ein gleich starres Despotenregiment führen; nichts von derMajestät nordlandischer Fjorde; nichts von der Sonnigkeit und demwarmen Duft französischer Lande; nichts von der satten, rnhigenSchönheit des blauen Südens. Nur wo das Meer braust, auf deu endlosen Dünen und im Abendscheine auf der blühenden Heide steigtein Zug von Großartigkeit in unser Vaterland hernieder: aber diesmacht doch nicht dessen Eigenart aus.
Und wie das Land, so die Luft, die darin weht. Alle Dar-steller der klimatischen Verhältnisse- Deutschlands kommen darüberüberein, daß auch sein Klima sich auszeichne durch eine gesundeMittelmäßigkeit, die sich fern hält vou allerhand Extremen nordischerWinter- oder südlicher Sommerlauneu. Ein „Mittelklima", umden Ausdruck Kutzens zu gebrauchen, dessen Eigenarten dem Leserja nicht unbekannt sein werden. Ziffern mitzuteilen über Durchschnitts-teinperaturen, Niederschlagsmengen und dergleichen hat wenig Zweck.Denn was nützt es einem, wenn er weiß, daß die durchschuittlicheJahrestemperatur in Breslau 8,3 und in Frankfurt a. M. 9,7 GradCelsius, oder daß die mittlere Januartemperatur in Dresden — 0,2", die mittlere Julitemperatur dagegen ebenda 18" beträgt.Halte man fest, daß es auch iu Deutschland im allgemeinen imWinter kälter ist wie im Sommer, im Norden kälter wie im Süden,und daß die Abstände zwischen den Temperaturextremen um sogrößer sind, je weiter der Ort vom Meere entfernt ist. AuchZiffern über die Sonnenscheindauer nützen wenig. Oder kann manetwas damit anfange!,, wenn ich feststelle, daß in Marggrabowa die Sonne im Jahre 1742 Stunden, dagegen in PoPPelsdorf beiBonn mir 1613 Stunden scheint. Etwas mehr bedeuten wohlschon die Verhältnisziffern: jene 1842 Stunden sind 39 von 100,diese 1618 dagegen 36 von 100 Stunden möglichen Sonnenscheins.