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Das Land.
bedinguugen für die erstere erfüllt das deutsche Land in rechtbeträchtlichem Maße. Zumal Miederum seit Einbürgerung derDampftechnik (in das Verkehrswesen durch die Eisenbahn) istDeutschland , zumal der Norden mit seinem vorwaltenden Flachlands-charakter, geradezu das Muster eines wohlqualifizierten Verkehrs-gebietes geworden. Wenn in den letzten Menschenaltern mehr undmehr der Schwerpunkt des deutschen Wirtschaftslebens aus demSüdeu nach dem Norden verlegt wird, so hat dessen ideale Weg-samkeit ihr gut Teil daran. Aber auch die natürlichen Verkehrs-straßen, wie sie die Flüsse darbieten, sind nicht ungünstig inDeutschland gestaltet und lassen sich zu einem idealen Systemedurch eine künstliche Querverbindung ausbauen.
Verglichen mit Italien, Frankreich, England ist Deutschland dank seiner reichen Stromentfaltung von der Natur viel eher alsBinnenland gedacht. Darauf weist auch seine geringe Küsten-entwicklung hin. Diese im Verein mit der für die Schiffahrt ganzbesonders ungünstigen Küstenformation (Doppelküste! fast gar keineguten Häfen!) machen Deutschland zum seegewandten Verkehr denkbarungeeignet. Von der Natur hingewiesen scheint dagegen Deutsch-land aus einen Landvcrkehr mit den übrigen europäischen Staaten:Deutschlands Zukunft liegt auf dem Laude! Man hat esnicht ohne Berechtigung das Reich der Mitte genannt. Denn inder Tat bildet es geographisch eine Art von Herz des europäischenLänderkomplexes, durch das der natürliche Weg aller Waren- undMenschenstrvme zwischen den verschiedenen Ländern hindurchführenmuß. Ob man eine Linie von Stockholm nach Rom oder vonLondon nach Konstantinopel oder von Petersburg nach Paris oderMadrid zieht: alle schneiden sie das deutsche Reich, das dadurchnoch einmal — dieses Mal aber in einem weniger herabstimmendenSinne — seine „Mittelmäßigkeit" zu erkennen gibt.
Also die landgewandte Wegsamkeit entschädigt reichlich für dieUnwcgsamkeit seiner Küstenseite, obwohl ja anch diese, wie manweiß, die rege Entwicklung eines Seeverkehrs in unserer Zeit keines-wegs zu verhindern vermocht hat. Diese Erwägung wird, wie somanche andere, denke ich, die Überzeugung in uns wachrufen: daßdie natürlichen Bedingungen eines Landes doch nur in beschränktem