2. Talent z, Teilmenschen —begründet unsere Befähigung z. Kapitalismus . 123
die Persönlichkeit des Mannes, der dieses Schlagwort geprägt hat,etwa mit einem Leonardo da Vinci , und man wird den Unterschiedzwischen Norden und Süden zum Greifen deutlich vor sich scheu! —uicht nachspüren. Genug: er ist da, und beherrscht unser VolkStnm.Nun ist es auch klar, daß er auf die Gestaltung des Wirtschafts-lebens um so größeren Einfluß ausüben muß, je strengere Formen,möchte ich sagen, dieses annimmt. Jetzt geht es an ein Schädel-spalten. Die Zeiten des behaglichen, gesicherten Handwerkertums,in denen sich gesättigte Existenzeil unbehindert ausleben konnten, sindauf Nimmerwiedersehen vorüber. In dem harten Kampfe umsDaseiu, deu unser heutiges Wirtschaftsleben darstellt, bedeutet esaber für ein Volk offenbar einen ungeheuren Vorzug, wenn seineAngehörigen in ihrer großen Mehrzahl gelernt haben, eine Sacheernst zu nehmen, sich einer Aufgabe, sie mag klein oder groß sein,ganz und gar hinzugeben. Dem Südländer, der die Gebietenordischer und insonderheit deutscher Kultur bereist, fällt nichts sosehr auf, wie diese unverdrossene Pflichterfüllung in allen Schichtender Bevölkerung, dieses selbstverständliche Abarbeiten des vorge-schriebenen Pensums, diese Tüchtigkeit zu allen und in allen Dingen,diese durch nichts von ihrem Ziele abzubringende Gewissenhaftigkeit:die <üosLien2iositk, die den größten Unternehmer wie den letztenTagelöhner in gleichem Maße erfüllt und die vielleicht ihrenPrägnantesten Ausdruck gerade in Deutschland in seinem Beamten-tum findet.
Wenn man darum vielleicht mit Recht sagen kann: wir sindgeborene Beamte — die Menschen sind entweder Künstler oderBeamte —, so gewinnt diese Bezeichnung »och einen tieferen Sinn,wenn wir ein anderes Merkmal unseres Volkscharakters, das eben-falls aus uuserm Mangel an künstlerischer Veranlagung entspringt,auch uoch in Betracht ziehen. Das ist das, was ich das Talentzum Teilmenschen, zum Spezialistentum uennen will, ein Talent,das dem Südländer völlig abgeht. Dieser mit seiner sinnlich-künstlerisch-unethischen Natur hat die Tendenz, die Welt um sich,um seine Persönlichkeit zu gruppieren uud darum diese als Ganz-heit sich zu erhalten. Wir dagegen lösen die Individualität aufin eine Anzahl Teile, die wir den objektiven Zwecken anpassen und