Druckschrift 
Die deutsche Volkswirtschaft im neunzehnten Jahrhundert / von Werner Sombart
Entstehung
Seite
127
Einzelbild herunterladen
 

Starke Rasseninijchnng in Deutschland .

127

Gerade Deutschlands Bevölkerung stellt nun aber ein außer-ordentlich kompliziertes Gemisch von allerhand Völkerudar, und mir scheint, daß in der glücklichen ethnischen Mischung,wie sie durch die Abgrenzung des Zollvereins und danach desdeutschen Reichs herbeigeführt ist, eine wesentliche Erklärung fürsein rasches wirtschaftliches Emporblttheu im neunzehnten Jahr-hundert zu fiuden ist.

Zunächst ist, wie bekannt, in keinem Lande eine so starkeVermischung von Germanen, Kelten und Slawen, also derdrei verwandten indoeuropäischen Stämme erfolgt, wie in Deutsch-land . Und das war gut. Denn soviel wir zu erkennen vermögen,ist keiner der drei Stämme in seiner Reinheit so entwicklungsfähig,wie eine richtige Mischung der drei. Speziell für das moderneWirtschaftsleben wiederum bedeuten die ethnischen Gegensätze, wiesie das heutige Deutschland enthält, eine wesentliche Förderung.Schwaben und Sachsen stellen gleichsam die beiden Seiten der kapi-talistischen Organisation: Spekulation und Kalkulation, Initiativeund Ausführung, Synthese nnd Analyse dar.

Nuu dürfte es aber Wohl keinem Zweifel unterliegen, daßdie genannten Stämme, wenn auch Kelten und Slawen in etwasgeringerem Maße als die Germanen, wo sie rein auftreten,also wie etwa in den Niederungsgebieten zwischen Weser undElbe , im Laufe der Jahrhunderte eine Völkermasse geworden siud,die der rechten Beweglichkeit entbehrt. Um das beliebte Bild zugebrauchen: Mehl ohne Sauerteig . Damit ein recht schönerKuchen daraus werde, bedarf es solchen ethnischen Sauerteigs.Und es scheiut mir nun abermals eine wichtige Eigenart desdeutschen Volkstums, daß es diesen während der letzten Jahr-hunderte im rechten Mengenverhältnis erhalten hat.

Was in früherer Zeit zur Heranbildung eiues intelligenten,umsichtigen, industriellen Unternehmertums, dessen wir uns imneunzehnten Jahrhundert zu erfreuen hatten, gewiß mit bei-getragen hat, scheint mir das französische Emigrantentumzu sein. Es ist bekannt, daß viele der tüchtigsten FabrikantenFrankreich aus religiöseu Gründen verlassen mußten, uud daßein großer Teil davon in deutschen Landen sich angesiedelt hat.