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Die deutsche Volkswirtschaft im neunzehnten Jahrhundert / von Werner Sombart
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Von den Juden bevorzugte Gebiete des Wirtschaftslebens,

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2119 auf die Industrie (davon aber 835 allein auf Bekleidung undReinigung, d. h, wesentlich auf die halb zum Handelsgeschäft ge-wordene KoufektionSiudustrie) gegenüber 3 524 bczw. 3 762 deranderen Konfessionen, dagegen 5 205 (gegenüber bezw. 522 und377 Christen!) auf das Handelsgewerbe! Und das trotzdem ihnenseit mehreren Menschenalteru die Wirksamkeit aus allen Gebietendes Wirtschaftslebens völlig freigegeben ist. Aber es ist ersichtlich,daß in Landwirtschaft und Industrie, auch wo sie schon kapitalistischorganisiert sind, doch noch in weiterem Umfange eine Beziehung zuden konkreten Gütern, die erzeugt werden sowie zu den lebendigenMenschen, die sie erzeugen, bestehen bleibt, während im Geldhandelausschließlich, aber auch im Warenhandel diese konkrete Bestimmtheitentfällt. Ich sagte- was letzteren angeht, namentlich im Zwischen-handel, der von Händler zu Händler die Waren nmsetzt oder imDetailhandel. Während beispielsweise im Einfuhrhandel, soferner die Erzengnisse der fremden Länder direkt herbeischafft, wieder-um eine stärkere konkrete Färbung der Beziehungen zu den eigen-artig gestalteten Kulturen der Bezugsgebiete stattfindet: weshalbwir in diesen Branchen des Handels abermals eine geringere Be-teiligung der Juden finden.

Je reiner also kapitalistisches Wesen im Wirtschaftsleben sichdurchsetzt, desto mehr Spielraum erhält die jüdische Eigenart. Wasman dann auch so ausdrücken kann: je mehr sich jüdisches Wesendurchsetzt, desto ausschließlicher kommt die kapitalistische Organi-sation zur Anwendung. Und nuu wird niemand länger im Un-ktaren sein, worin die eminente Bedeutung des Judentums fürdie modernen Volkswirtschaften liegt: es beschleunigt deren Um-bildung in die kapitalistische Organisation, die hente wirtschaftlichdie schlechthin vollkommene ist. Ganz besonders deutlich kommtdiese jüdische Mission den Übergang zum Kapitalismus zu be-fördern dort zum Ausdruck, wo es gilt, die heute noch kon-servierteil Neste vorkapitalistischer Organisation aus der Welt zuschaffen: in der Zersetzung der letzten Handwerke uud der hand-werksmäßigen Krämerei. Man kann getrost sagen, daß beispiels-weise Schneiderei, Schuhmacherei, Tischlerei, Bauhandwerk zumgroßen Teile der rastlosen Tätigkeit jüdischer Geschäftsmänner ihren