Die lange Staatenlosigkeit d, Deutschen befördert d. wirtschaft!, Ausschwung, 137
jenes Talent der Deutschen , dem Bedarf eines fremden Volkes sichbesser zu akkommodieren, deutlich zum Ausdruck kommt. Beispiel:in Brasilien kauft man nicht gern Waren, an denen etwasZchwarzes ist. Die Engländer exportierten in dieses Land vorzüg-liche Nähnadeln, aber sie waren verpackt in schwarzes Papier.Zächsische Fabrikanten erhalten vou der Marotte der BrasilianerKunde, schicken viel schlechtere Nähnadeln hinüber, aber verpackensie in rosa Papier uud eroberu auf diese Weise den Markt.Oder: nach Trinidad lieferten die Engländer Schnhwerk; da dieEingeborenen jedoch Plattfüße haben, so Paßten ihnen die englischenFa^ons nicht. Die englischen Importeure bestandeu trotzdem darauf,diese dort einzuführen. Da kamen die Deutschen und beeilten sich,möglichst den Fußformen der Einheimischen konformes Schuhzeugzu liefern, und bald verkauften die Engländer keine Socke mehrnach drüben. Gewiß handelt es sich in allen diesen Fällen umKleinigkeiten; aber sie scheinen mir trotzdem außerordentlich lehr-reich durch ihre symptomatische Bedeutung.
Aber die Staatenlosigkeit hat uns noch mehr Vorteile ver-schafft. Nicht uur daß sie in uns jene Leichtigkeit, anderer Wünschezu befriedigen, jenen Mangel an Nationalstolz oder wenn mau willNationaidünkel erzeugte: sie zwang uns auch dazu, unsere Energiestärker anzuspannen, unsere ökonomischen Talente kräftigerzu entfalten. Die hohe Schule war wieder der Weltmarkt. EineNation, die im Auslande eine kraftvolle Vertretung hat, wird dieseleicht dazu benutzen können, ihre Kaufleute mit dem Nachdruck,den die brutale Gewalt verleiht, bei fremden Völkern einzuführen.Zumal wenn sie sich in, Besitze ausgedehnter Kolonien befindet,so kann sie für den Bezug ausländischer Waren ebenso wie fürden Vertrieb der eigenen meist andere Empfehluugsmittel insFeld führen als die rein wirtschaftliche Überlegenheit. Währenddie Kaufleute und Industriellen eines Volkes, denen diese äußereökonomische Unterstützung nicht zu teil wird, allein durch An-spannung ihrer ökonomischen Kräfte sich einen „Platz an derSonne" zu verschaffen vermögen. Ich glaube, es ist kein Para-doxon, wenn man sagt: das große englische Kolonialreich habedazu gedient, die englischen Unternehmer bequem und — ein-