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Die Technik.
Die Erfindung der Dampfmaschine, die ja unzweifelhaftschon ein Kind naturwissenschaftlichen Denkens ist, gehört aller-dings ganz dem achtzehnten Jahrhundert an. Aber wir dürfennicht vergessen, daß, wenn auch die Idee der Dampfmaschine,die ans naturwisseuschaftlich-modernem Geiste geboren war, imachtzehnten Jahrhundert sich entfaltet, ihre Verwirklichung dochnoch bis tief in das neunzehnte Jahrhundert hinein an dieSchranken der alten empirischeu Technik gebunden blieb, und daswaren sehr enge Schranken: mit Meißel, Hammer nnd ganz ein-fachen Bohrvorrichtungen wurde im Aufang des neunzehnten Jahr-hunderts der Maschinenban betrieben; noch hatte der Zimmermanumehr dabei zu tun als der Schlosser, denn das Eisen ward eben-falls noch in überkommener, altfränkischer Weise gewonnen undwar nicht in beliebigen Mengen verfügbar. Sodaß wir wohl mitRecht sagen können: auch die Ära der Dampfmaschiue beginnterst im neunzehnten Jahrhundert, zumal in Deutschland . Wasaber für die Dampfmaschine und ihre Herstellung gilt, gilt nichtminder für alle ArbeitSmaschiueu: auch sie siud so lauge nichtals zur modernen Technik gehörig anzusehen, als ihre Anfertigungnoch iu rein empirischem Geiste erfolgt, wie es im Anfang desneunzehnten Jahrhunderts noch allerorten der Fall war.
Derselbe Geist beherrschte aber die gesamte übrige Techuiknoch. Iu der Eiseuiudustrie hatte zwar die Einführung desPuddelverfahrens (seit Ende der 1780er Jahre) einen bedeutendenFortschritt dargestellt; gleichwohl blieb das ganze Verfahren reinempirisch. Von den Vorgängen im Hochofen oder im Puddelofen,die es bewirken, daß Roheisen oder Schmiedeeisen entsteht, hatteman noch keine wissenschaftlich begründete Kenntnis. Noch Hunts-mauu und Friedrich Krupp , die Erfinder des Gußstahls, warenreine Empiriker, die nichts von der chemischen Zusammensetzungihres ErzeuguisseS wußten.
Die Landwirte, die nach der Thaerschen Methode wirtschaf-teten, nannten sich zwar rationelle Landwirte. Sie waren es dochaber Höchsteiis im ökonomischen Sinne: die Technik der landwirt-schaftlichen Produktion war noch durchaus empirisch. Die sogenannteHumnsthevrie Thaers, auf der er die Fruchtfolge aufgebaut wissen