DasPrinziP d.mod.Natnrwisscnsch.: Ersetzung d. Qualität durchd.Quantität. 159
wollte, ruhte auf keiner naturwissenschaftlichen Basis und wnrdein dem Augenblicke zerstört, als durch Liebig zum erstenmal dieGesetze des Pflanzenwachstums wissenschaftlich begründet wurden.Und so fort auf allen Gebieten.
Was in aller Welt ist es denn nun aber, was der Anwen-dung des naturwissenschaftlich fundierten Verfahrens ihre grund-stürzende Bedeutung für die Technik verleiht? Auf diese Fragewerden wir am ehesten Antwort erhalten, wenn wir zuvördersteinmal uns klar machen, worauf denn das völlig neue Priuzipder modernen Naturwissenschaften beruht. Deuu offenbarwerden wir über die Eigenart der Wirkungen, die diese ausüben,dann leichter Aufschluß erhalten, wenn wir den Geist erkannthaben, der sie selbst beherrscht.
Was die moderne Naturwissenschaft anstrebt, so wird mansagen dürfen, ist die lückenlose Ersetzung der Qualität durchdie Quantität, die in einer mathematischen Formel ihren letztennnd vollkommensten Ausdruck findet. Erst dann, wenn sich fürirgend einen Vorgang in der Natur eine mathematische Formelaufstellen läßt, so hat uns Kant belehrt, haben wir das Recht,von naturgesetzlicher Erkenntnis zu sprechen. Worauf alles aus-geht, fo kann man es auch ausdrücken, ift die Entseelnng derNatur. Wo ehedem lebendige Wesen, lebendiges Wirken angenommenwurde —
Diese Höhen füllten Oreaden,Eine Dryas lebt in jedem Baum,Aus den Uruen lieblicher NajadenSprang der Ströme Silberschaum;Durch die Schöpfung floß da Lebensfülle,Und was nie empfinden wird, empfand, —
da soll jetzt — so fordert die strenge Gedankenfügung naturwissen-schaftlichen Denkens bis zur Gegenwart — ein Wechselspiel toterKörper herrschen. Es ist reizvoll zu beobachteil, wie es rechteigentlich die Ausgabe der fortschreitenden Natnrerkenntnis ist, dielebendige Seele aus den Dingen weg zu argumentieren, wie dieFortschritte der Naturwissenschaften sich am deutlichsten wahr-nehmen lassen all der schrittweisen Zurückdrängung, sagen wireinmal in moderner Terminologie vitalistischer Anschauungen. Noch