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Die Technik.
FeuernngSmaterial in den Privathaushalten war. Nun wurdedie organisierte Materie auch auf diesem Gebiete verdrängt unddamit war abermals eine Bedingung für die grenzenlose Aus-dehnung der Industrie geschaffen: alle Ausbildung der Maschinen-technik, alle Vervollkommnung der Eisen- und Stahlbereitung hättenwiederum nichts genutzt, wäre in der Kohle nicht ein Ersatz desimmer knapper werdenden Holzes als Heizstoff gefunden worden.Wir finden es begreiflich, wenn ein so vorzüglicher Sachkenner,wie Peter Mischler, nm die Mitte des Jahrhunderts klagend aus-ruft: „die meisten Eisenwerte haben bis jetzt noch die (enge!)Grenze ihrer Ausdehnung in dem Besitz und der Ertragsfähigkeitder Wälder, iu dem verfügbaren Holzvorrat, in den Holz- und(Holz-)KohlenPreisen!"
Aber die Kohle lieferte nicht nur diesen neuen und wirksamenHeizstosf: sie lieferte bei ihrer Verarbeitung zu Kokes dem neun-zehnten Jahrhundert auch einen billigen, weil anorganischen Be-leuchtungsstoff und als besonders reizvolle Zugabe obendrein auchnoch eiue Reihe anorganischer Farbstoffe. Die Beleuchtungstechnikwar bis zum Beginn des neunzehnten Jahrhunderts ebenfalls indie engen Schranken der organischen Welt gebannt gewesen. Ur-sprünglich waren Olivenöl uud andere Pflanzenöle im Süden, derKienspan im Norden die einzigen Lichtspender gewesen. Dann wardie Kerze aus Wachs, Talg, Unschlitt dazu getreten: ein entwedersehr kostbares oder aber sehr primitives Beleuchtuugsmittel. DieKultur bis Goethe einschließlich ist im besten Falle bei Kerzen er-wachsen, die unaufhörlich fchnänzten. Und es entspricht nur demstolzen Bilduugsbewußtfeiu uuferer so sehr sortgeschrittenen Zeit,wenn sie das Goethesche Sehnen nach „Mehr Licht" aus dieselbeGemütsverfassung als Quelle zurückführt, iu der er ein anderesMal die schönen Verse dichtete:
„Wußt' nicht, was sie Besseres erfinden könnten,Als wenn die Lichter ohne Putzen brennten."
Hätte er nur zwei Jahre noch gelebt, so würde er das Wundermit eigenen Augen geschant haben: 1834 erfand Cambacere dengeflochtenen Docht, der in der Flamme das Verkohlen nnd Rußen,