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Die deutsche Volkswirtschaft im neunzehnten Jahrhundert / von Werner Sombart
Entstehung
Seite
183
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Die Kohlenindustrie.

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Nebeln der nordischen Breiten zu einein glitschigen, schmutzigenBrei, der aus Hänser nnd Bergen sich niederlegt, wird dann derKohlenstaub recht eigentlich zu dein spezifischen Kolorit unsererganzen Kulturepoche. Nach den Berechnungen Jurascheks wurdenim Jahre 1800 auf der ganzen Erde erst 12 Millionen TonnenKohle zu Tage gefördert: der ueuute Teil von dem, waS heuteDeutschland allein an Steinkohlen produziert (1900 ^ 109.22 Mill.Tonnen). Dann hält sich die Zunahme bis in die Mitte des Jahr-hunderts noch in bescheidenen Grenzen: 1850 beträgt die Förderung82.6 Millionen, davon entfällt die Hälfte auf England . 1897jedoch ist die geförderte Menge auf 649.9 Millionen und am Aus-gang des Jahrhunderts sicher aus annähernd 800 MillionenTonnen gestiegen.

Deutschland hat einen reichlichen Anteil an dieser Entwicklung,Seine Kohlenprodnktion hat sich während des neunzehnten Jahr-hunderts verhundertfacht. 1824 wurden im preußischen Staateerst 1.2 Millionen Tonnen, 1843 ^ 3.1 Millionen Tonnen Stein-kohle gefördert, 1900 dagegen 101.90 Millioneil Tonnen, im ganzendeutschen Reich 109.22 Millionen Tonnen, wozu noch etwa39 Millionen Tonnen Braunkohle kommen. Wir wissen, wo diewichtigsten Fundorte dieser sogenannten schwarzen oder braunenDiamanten iu Deutschland sind. Bon der gesamten Steinkohlen-prodnktion entfällt der Löwenanteil in Höhe von 60.1 MillionenTonnen auf das Nuhrbecken, 24.8 Millionen Tonnen liefert Ober-schlesien, 11.1 Millionen das Saarbecken, Niederschlesien 4.8 Millionen,das Aachener Revier 1.8 Millionen. Brannkohlenproduzent ist vorallem die preußische Provinz Sachsen (zwei Drittel der preußischenAördermenge, die 33.70 Millionen Tonnen im Jahre 1900 betrug,.

Die Anregung namentlich zur Ausdehnuug des Steinkohlen-bergbaus lieferte die Eisenindustrie.

Als sich jedoch die Technik des Bergbaus vervollkommnete(dank wiederum der Entwicklung der Maschinerie), blieb man nichtbei der Verwendung zur Eiseuerschmelzuug stehen, sondern nutztedie Kohle vor allem immer mehr zu Heizzwecken. Bergessen wirnicht, daß die erste Maschine in Teutschland noch mit Holz geheiztwurde, daß Holz, wie wir sahen, noch das selbstverständliche