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Die deutsche Volkswirtschaft im neunzehnten Jahrhundert / von Werner Sombart
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Telegraphie und Telephon!?,

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der bis dahin immer den Vermittler spielen mußte. Die Schnellig-keit der Taube, ja des Windes konnte damit in der Nachrichten-beförderung überboten werden: In durchschnittlich wenig mehr alsdrei Stunden durcheilt das Wort auf den Schwingen des elektrische»Funkens die 22000 Kilometer lange Strecke von London nachAdelaide . Und die größten Grobheiten kann nun? einander iuunmittelbarer Verständigung per Telephon an den Kopf werfen,auch weun der eine der Freunde in Berlin, sie aber in Wien dieSonne erschaut.

Aber man weiß, daß die Elektrizität noch in mehrfach andererRichtung während der letzten Jahrzehnte uns zu dieneu gezwungenworden ist: sie erleuchtet unsere Städte, bewegt unsere Straßen-bahnen, und beginnt hie und da den Dampf in der Industrie zuersetzen. Man weiß auch, daß Deutsche unter den bahnbrechendenEntdeckern und Erfindern mit den glänzendsten Namen vertretensind, daß vor allem Robert Mayers Theorie die wissenschaftlicheGrundlage abgegeben hat, auf der die Elektrotechnik ihren Wunder-ban aufzuführen beginnt.

Wenn ich gleichwohl mich hier mit diesem kurzen Hinweis aufdie Leistungen der neuesten Technik beguüge, so geschieht es ausder Erwägung heraus, daß (abgesehen von der Nutzung deselektrischen Funkeus als Nachrichtenvermittlers) die Elektrizität mitihren Wirkungen nicht mehr dem neunzehnten, sondern demzwanzigsten Jahrhundert angehört. Und ich möchte doch meinemNachfolger, jenem armen Manne, der im Jahre 2000 im Schweißeseines Angesichts die wichtigsten Ereignisse zu seiner Geschichte derdeutschen Volkswirtschaft im zwanzigsten Jahrhundert zusammen-stellt, nicht vorgreifen. Möchte ihm vielmehr seine Arbeit erleichtern,indem ich ihm ein Endchen Faden übergebe, an das er füglich dieunvermeidliche Übersicht über die Etappen der technischen Ent-wicklung in seinem Jahrhundert anzuknüpfen vermag.