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Die deutsche Volkswirtschaft im neunzehnten Jahrhundert / von Werner Sombart
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Konzentrationstendenz im Bankwesen.

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gegen 1272 Angestellte ein Jahr früher nsw. Die in diesen Zahlender Gewerbestatistik znm Ausdruck gelangende Konzentrativusteu-denz des Bankkapitals würde nun aber noch viel markanter in dieErscheinung treten, wenn sie nicht durch das Filialensystem dergroßen Banken verschleiert würde. Die großen Berliner Bankenbelieben im allgemeinen diese Form der Ausdehnung nicht- nurdie Deutsche Bank hat 7 Filialen, uud natürlich verfügt die Neichs-bank über ein wohlgeordnetes System von Zweiganstalten, sie ver-mehrten sich von 206 im Jahre 1876 auf 330 im Jahre 1900.Dagegen finden wir um so entwickelter das Filialwesen bei dengroßen Provinzialbanken. So hat die Bergisch-Märkische Bank9 Filialen, die Dresdener Bank hat deren 13, die Essener Kredit-anstalt 7, die Oberrheinische Bank 9, die Pfälzische Bank 15,der Schlesische Bankverein 7 usw. Nun ist ersichtlich, daß dieFilialen als ebensoviel selbständigeBetriebe" an den Orten,wo sie sich befinden, gezählt werden, während sie doch selbstver-ständlich alle zusammen erst die Wirtschaftseinheit die Unter-nehmung ausmachen. Eine Bank also, die am Zentralsitz sage48 Angestellte und in ihren sage 7 Filialen deren 53 hat,erscheint in der Statistik in 8 Betrieben, von je 48, 20, 10, 8,5 usw. Angestellten, während sie ein Ganzes mit mehr als100 HilfsPersonen bildet. Ebenso ist die Reichsbank eine Wirt-schaftseinheit mit 2 322 Teilnehmern,Beamten ", während sie inder Gewerbestatistik in 331 Betriebe mit je 664 (Hauptbank) und

also durchschnittlich je 5 Personen, aufgelöst erscheint. Die

Deutsche Bank beschäftigte (1895) in Berlin 1008 Personen, inden Filialen 617 usw.

Man wird deshalb gut tuu, neben der Gewerbestatistik nochnach andern Wahrzeichen Ausschau zu halteu, an denen sich dergeschilderte Konzentrationsprozeß in seiner vollen Stärke erkennenläßt. Als solches bietet sich gleich die Umwandlung zahlreicherPrivatbanken in Aktiengesellschaften dar, wie sie sich nament-lich im letzten Jahrzehnt häufig vollzogen hat, ohne daß wir imstandewären, sie ziffermäßig zu erfassen. Ebensowenig läßt sich statistischnachweisen, in welchem Umfange eine Konzentration ans dem Wege