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Die deutsche Volkswirtschaft im neunzehnten Jahrhundert / von Werner Sombart
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Wandlungen in der inneren Organisation des Bankwesens.

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Die überragende Bedeutung der Berliner Großfinanzisoweit sie sich ziffernmäßig ersassen läßt) macht die Gegenüber-stellung der folgenden Zahlen deutlich. Bankbetriebe mit mehr als50 Personen gab es 1895 in Berlin , wie wir sahen, 27, im ganzenübrigen Deutschland 37; in letzteren waren 3 412 Personen be-schäftigt, gegen 4 390 in Berlin . Betriebe mit mehr als 200 Per-sonen hatte Berlin 4, das übrige Deutschland 1; in den 4 Berliner Betrieben waren 2186, in dem 1 Provinzialbetriebe 263 Personenbeschäftigt. Am Jahrhundertschluß wird Berlins Vorrang nochviel größer sein.

Nicht minder aber wie die äußere Struktur hat sich dieinnere Organisation des Bankwesens während des ver-flosseuen Jahrhunderts von Grund aus verwandelt.

Sehen wir von den Notenbanken ab, von denen schon dieRede war, so beschränkten sich dieBankgeschäfte" der meistenBankiers bis um die Mitte des Jahrhunderts, ja bei den kleinerenund mittleren bis in die 1860er Jahre hinein wesentlich auf denGeldhandel. Es waren (Geld-)Wechselbanken" im ganz primi-tiven Sinne, die großenteils von der Buntscheckigkeit des deutschenMüuzwesens ihren Nutzen zogen. Ein Bankier, der die 1860erJahre schon mit Bewußtsein durchlebt hat, schilderte mir deusehr niederschlagenden Eindruck, deu der Übergang zur einheit-liche!? Reichswährnng auf weite Kreise des Bankiertums ge-macht habe: man sei der Überzeugung gewesen, daß damit denBankiers der Lebensnerv unterbunden worden sei. In der Tat wie wir noch sehen werden war für die hente im Vorder-grunds stehenden Bankiergeschäfte bis in die Mitte des Jahr-hunderts noch kein Boden vorhandein das Diskontierenlassen derWechsel war noch sehr wenig in Übung, der Effektenmarkt warbeschränkt, der Depositen- und Kontokorrentverkehr lag bei demniedrigen Reichtnmsniveau noch in den Windeln.

So finden wir es sehr begreiflich, wenn wir hören, daß inder ersten Hälfte des Jahrhunderts das Bankiergewerbe häufigmit andern Berufszweigen verbunden war. Im Jahre 1823gab es in Frankfurt a. M. 275 Kaufleute, die sich mitWechsel,Kommission uud Spedition" befaßten (nach Kanter): Kommission

Sombart , BollSwirtschaft, 14