Druckschrift 
Die deutsche Volkswirtschaft im neunzehnten Jahrhundert / von Werner Sombart
Entstehung
Seite
245
Einzelbild herunterladen
 

Wandlungen i. ^Handelsorganisation: Rückgang d.Meß-U.Markthandels, 245

Lokohandel ist, der sich in Deutschland aus der Leipziger Rauch-warenmesse konzentriert. Ebenso behaupten sich die Vieh markte,hier und da die Maschinen markte. Aber auch ein so wichtigerHandelsartikel, wie die Schafwolle, hat sich bis heute zum Teilmit Erfolg gegen den Lieferungshandel gewehrt. Fast die ge-samte deutsche Jnlandswolle wird noch heute im Platzgeschäft um-gesetzt. Der städtische Wollhändler geht auf die Guter, um diehier lagernde Ware einzukaufen, die er dann auf den mehrmalsim Jahre stattfindenden Wollmärkten oder von seinem Privat-lager herunter verkaust. Zwar die beiden großen deutschen Woll-märkte Berlin und Breslau haben erheblich an Bedeutungverloren. Ihre Glanzzeit fällt in die 1850er und 1860er Jahre.Damals wurden auf den Berliner Markt 100200000 ZentnerWolle (1869 194 573 Zentner Maximum), auf den Breslauer609000» Zentner (1847 89 500 Zentner Maximum, 1869noch 87 500 Zentner) zum Verkauf gebracht, während im Jahre1899 in Berlin nur 28000 Zentner, in Breslau 12000 Zentnerzugeführt wurden. Aber dieser Rückgang steht nicht sowohl mitder Veränderuug der Geschästssorm als mit der Verschiebung derBezugsgebiete für Wolle im Zusammenhang. In der Mitte desJahrhunderts deckte die deutsche Industrie ihren Bedarf an Wollenoch fast vollständig im Jnlande; heute werden fünf Sechstel derin Deutschland verarbeiteten Wollen aus dem Auslande (Kap,Südamerika, Australien ) bezogen. Aber selbst für diesen über-seeischen Handel hat man lange Zeit eine Form gewählt, die demalten Lokogeschäft nahe kommt: die Auktion im Einsuhrhasen,namentlich Hävre, Antwerpen und London . Erst jetzt beginnt derdirekte Bezug von drüben, durch Vermittlung von Kommissions-erporthäusern, auf Grund von Proben und sogar schon Standardsdie alte Form des Auktionskaufs zu verdrängen. Damit vollziehtsich gleichzeitig die Emanzipation des deutschen Handels von derenglischen oder belgischen Vermittlung. Im Jahre 1899 machtedie direkte Einfuhr von Wolle in das deutsche Zollgebiet(137198 t) schon 77°/g der Gesamteinsuhr aus, während sie noch1380 erst 9°/g, 1890 erst 48^ betragen hatte. Für den Ver-kauf an die Spinner ist heute für ausländische Wollen der Ver-