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Die deutsche Volkswirtschaft im neunzehnten Jahrhundert / von Werner Sombart
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Der Handel.

oder Wäsche- oder Galanteriewarenfabrik in direkte Beziehungtreten, weil ihr die ganze oder ein beträchtlicher Teil der Jahres-produktion abgenommen wird. Ein Verkehr mit ein paar Hundertkleinen Detaillisten dagegen verbietet sich von selbst.

So sehr nnn aber auch die Entwicklung des Verkehrs, derProduktion und des Warenverschleißes in eine Richtung drängt,in der die Bedinguugeu für die Ausschaltung von Zwischengliederndes Handels oder für die Existeuzmöglichkeit eines bloßenKommissionshandels sich erfüllen, so wäre es doch ganz verkehrt,anzunehmen, der selbständige Eigenhändler sei heute bereits aufden Aussterbeetat gesetzt. Das mag für einzelne Branchen zu-treffen, sicher aber nicht für die große Mehrzahl der Produktions-zweige. Ja, es sollte mich garnicht wundern, wenn eines Tagesgeradezu eine Gegentendenz einsetzte, darauf gerichtet, die Stellungdes Eigeuhändlers wieder zu festigen, und die Vermehrung seinerTypen wieder zu fordern. Teutschland hat auch auf diesem Ge-biete andere Wege eingeschlagen wie England. In England istdie Arbeitsteilung zwischen Fabrikant nnd Händler viel strengerdurchgeführt wie bei uus. Und man hört wohl in Fachkreisen dasUrteil, daß die deutscheu Fabrikanten in ihrem Streben nachdirektem Verkehr mit Lieferanten oder Kunden zu ihrem eigenenSchaden oft zu weit gehen. Vielleicht tritt aber gerade in diesemBemühen auch wiederum die stärkere Intensität des kapitalistischen Wollens in die Erscheinnug. deren Vorhandensein die etwa ent-stehenden Nachteile aufwiegt. Analogem im Bankwesen! Aberdas sind Erwägungen, die uns hier nichts angehen. Es genügt,daß wir als Ergebnis des bisherigen Verlauss feststellen konnten:die Tendenz zur Tegradiernng oder Ausschaltung des selbständigenEigenhandels besteht; sie ist sogar sehr stark (irgendwelche ziffern-mäßige Anhaltspunkte, ihre Stärke zu messen, besitzen wir nicht:die Statistik versagt hier völlig!). Jedoch: darum ist der Eigen-handel noch längst nicht aus der Welt geschafft. Er findet sich viel-mehr iu allen Sphären noch heute. Gedeiht auch. Nur freilichhat er wesentliche Veränderuugen in seiner eigenen Struktur durch-gemacht, durch die er sich den gewandelten Verhältnissen anzupassenverstaudeu hat. Von diesen Veränderungen noch ein Wort.