Druckschrift 
Die deutsche Volkswirtschaft im neunzehnten Jahrhundert / von Werner Sombart
Entstehung
Seite
249
Einzelbild herunterladen
 

Tendenz zur Ausschaltung von Gliedern in der Kelte der Händler. 249

Ebenso versuche» die Produzenten, sich nach Möglichkeit denletzten Abnehmern ihrer Erzeugnisse und den ersten Lieferantenihrer Rohstoffe zu nähern: der schlesische Textilindustrielle verkauftnicht mehr au den Breslauer, sondern an den Berliner Grossisten,oder an das Hamburger Exporthaus; das sächsische Wollwaren-geschäst tritt mit einem nordamcrikanischen Importeur in direkteVerbindung; der rheinische Kleineisenwarenfabrikant schickt wo-möglich iu den kleineren Städten Südamerikas seine eigenen Muster-reisenden umher usw. Oder die deutsche Großmühle kauft direktihr Getreide von den Agenten des amerikanischen Exporthauses.Oder die K'refelder Seidenfabrik steht in direktem Geschäftsverkehrmit Gerson oder Herzog in Berlin usw. Und es geht wirklichnoch langeso weiter".

So mannigfach nun aber auch die Kombinationen sein mögen,in denen sich diese Tendenz zur Ausschaltung vollzieht, so wirdmau doch wohl als wiederkehrenden Zug findeil, daß es vor allemdie Händlerschaft der großen Binnenplätze ist, deren Vermittlungman entbehren zu könne» glaubt. Die Grossisten in Frank-furt a. M., Leipzig , Breslan sowohl für den Binnenhandel,wie für den Einfuhr- und Außenhandel sind die hauptsächlichLeidtragenden bei diesem Umgestaltungsprozeß.

Fragt man nun aber, unter welchen Bedingungen eine der-artige Entwicklung am ehesten Fortschritte machen wird, so ist esnicht schwer, darauf zu antworten. Vor allem sind es die Über-sichtlichkeit der Marktlage, die Verbesserung der Verkehrsorganisation,die die Möglichkeit direkter Geschäftsverbindungen vergrößern.Dann aber wirkt ost in gleicher Richtung fördernd die Konzen-trationstendeuz in der Produktions- und namentlich in der Detail-handelssphäre. Eine große Leder-, Tabak-, Schuhfabrik, eine großeBrauerei oder Müllerei: sie köunen eher ihre Häute, ihren Roh-tabak, ihr Leder, ihre Gerste, ihr Brotkorn aus erster Hand, alsomindestens vom Importeur des eigenen Landes, wenn nicht direktvon drüben, oder vom (großen) Produzenten im eigenen Landebeziehen, als kleine Handwerker derselben Branche, die ihren Roh-stoss in winzigen Mengen zugeteilt erhalten wolleil. Mit einemGroßmagaziu kann auch die größere Texlilwaren- oder Schirm-