Der Großhandel am Schlüsse des 19. Jahrhunderts. 253
Leider sind wir nicht in der Lage, diese Tendenz auch nur miteiner einzigen Ziffer in ihrer quantitativen Stärke zu ermessen: dieAktiengesellschaft spielt im Warengroszhandel keine erhebliche Rolleund die neuere Gewerbestatistik ist völlig unbrauchbar, weil sie —waS geradezu unbegreiflich ist — nicht zwischen Großhandelund Warenverschleiß unterscheidet (wie es z. B. die alte preußischeStatistik tat: nichts ist nämlich leichter durchzuführen als dieseTrennung: in Händler mit offenem Laden uud ohne einen solchen!).Aber daß die Konzentrationstendenz vorhanden ist, lehrt der Augen-schein. Jeder Fachmann wird es bestätigein die kleinen scheiden aus.
So ist denn das Bild, das der Großhandel am Schlüssedes neunzehnten Jahrhunderts gewährt, dieses: vom altenEigenhandel ist eine kleine Anzahl kapitalkräftiger Häuser übrig ge-blieben (soweit es sich nicht um absterbende Residuen handelt), derenTätigkeit iu der reiueu Umwertung und Disposition der Warenund im Anschluß daran in der Kreditvermittluug sich erschöpft.Das Lagergeschäft wird in wachsendem Umfange von selbständigenganz großen Unternehmungen oder von Gemeinde wegen besorgt.Transport und Spedition ruhen in den Händen der meist sehrgroßen Trausportinstitute. Endlich aber wimmelt es an allenEcken nnd Enden von einer wachsenden Schar mittlerer undkleinerer Existenzen, die als Agenten, Reisende, Makler Vermittler-dienste leisten und sich in einzelnen Fällen zu Kommissionshäuserngroßen Stiles auswachsen.
In Summa: auch auf dem Gebiete des Großhandels inDeutschland ist das neunzehnte Jahrhundert Augenzeuge jenergrundstürzenden Neuordnung, die an Stelle lebendiger Beziehungenvon Person zu Person innerhalb eines kleinen Kreises einanderbekannter Menschen ein kunstvolles System von unpersönlichenRelationen setzt; die die gesamte wirtschaftliche Tätigkeit in eineSumme von Vertragsabschlüssen auflöst; die auch das letzte Bandzwischen dem Warenhändler und einer konkreten Warenpartie zer-schneidet (im Thpenkauf, bei dem der Kaufmann die gehandelteWare vielleicht garnicht zu Gesicht bekommt); die mit Entschieden-heit die Tendenz erzeugt, alle Qualitäten in Quantitäten zu ver-flüchtigen. Auch hier also ist es nichts anderes als der große