Der Absatz der Waren an die letzten Konsumenten wird zu einemProblem. 261
zusammen, dem Detailhandel sein handwerksmäßiges Gepräge zuerhalten. Der Absatz war ein Gegebenes: auf ihn brauchte der.Krämer, nicht zu sinnen: ihn zu organisieren war noch nicht eineKunst oder gar eine Wissenschaft. Daher auch die Detaillistenihrer Natur nach Handwerker geblieben waren, fremd jeder speku-lativen Sinnesrichtung uud alles andere als „Kaufleute". DerGrundgedanke, auf dem der Detailhandelskram aufgebaut war,konnte deshalb auch kein anderer sein, als der aller handwerks-mäßigen Tätigkeit, wie wir ihn kennen gelernt haben: daß der„Kram" recht und schlecht seinen Mann ernähren müsse, daß ereine „Nahrung" sei, so gut wie das Gewerbe des Gevatter Schneideroder Handschuhmacher.
Was dieses Idyll, wie es der vorkapitalistische Detailhandeldarstellte, um mit Marx zu reden, „in den Strom der Geschichtegerissen" hat, war die mit wachsender Jntensivisierung desWirtschaftslebens rasch zunehmende Verschlechterung der Absatz-bedingungen für den einzelnen Händler. Die steigende Produk-tivität der Industrie warf immer mehr Waren auf den Markt,ohne daß immer gleich die entsprechende Mehrnachfrage mit er-zeugt worden wäre; die, wie wir wissen, starke Vermehrung derHändlerschaft verschärfte den Konkurrenzkampf, der um so heftigerund allgemeiner wurde, ie rascher dank der modernen Verkehrs-entwicklung sich ein Ausgleich der örtlich verschiedenen Güter-Preise vollzog. Zu dieser Erschwerung des Absatzes trat nun einezuuehmeude Erschwerung des Handelsbetriebs infolge der stetig sichsteigernden Menge verschiedenartiger Waren, sowie des unausgesetztenWechsels ihrer Beschaffenheit und ihres Preises, wie sie die revo-lutionäre Prodnttionstechnik mit sich bringt. So läßt sich deutlichverfolgen, wie allmählich auch der Absatz der Waren an dieletzten Konsumenten zu einem Problem wird, wie aus derhandmerksmäßig-traditionell geübten Tätigkeit unter dem Zwangeder Verhältnisse ein zielbewußtes, rationelles Handeln mit dem festvorgesteckten Ziele wird: trotz Verschlechterung und Erschwerung derAbsatzbedingungen nicht nur wie bisher die „Nahrung" zu finden,sondern — das forderte das gleichzeitig sich einstellende Gewinn-streben — in wachsendem Umfange Gewinn zn erzielen.