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Die deutsche Volkswirtschaft im neunzehnten Jahrhundert / von Werner Sombart
Entstehung
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Der Verkehr.

während am Ende des neunzehnten Jahrhunderts der Gesamt-bestand an Pferden in Deutschland nur etwas über 4 Millionenbetrug. Dieser müßte also mindestens vervierfacht oder verfünf-facht werden, wollte man die gleiche Nutzleistung erzielen.

Und diese würde doch mir erst die Menge der befördertenGüter erreichen; müßte hingegen in einem andern Punkte not-wendig immer hinter der Leistung der Dampspferde zurückbleiben:in Bezug auf die Schnelligkeit. Diese ist selbst für den Güter-verkehr durch die Eisenbahnen selbstverständlich beträchtlich gesteigert.Huber hat die Lieferzeiten für einige von Friedrichshafen amBodensee ausgehende Strecken, wie sie im Jahre 1841, also zurZeit des höchstentwickelten Frachtverkehrs, galten, zusammengestellt(in seinem schon genannten Buche über die Entstehung des modernenVerkehrs). Sie betrugen (Tage) bis Mannheim und Mainz 6,Hamburg 16, Leipzig 10, Mailand 10, Genua 15, Livornv 24,Zürich 4. Heute sind sie auf die Hälfte oder ein Drittel derZeit abgekürzt. Aber das Moment der Schnelligkeit fpielt natürlicheine viel wichtigere Rolle im Personenverkehr. Man möge dieReisedauer der Poftfahrten vergleichen, die ich im ersten Kapitelmitgeteilt habe, mit der bekannten Fahrtdauer der Schnellzüge aufdenselben Strecken, um deu Abstand zwischen damals nnd heutesich vor Augen zu führen.

Und mit zunehmender Schnelligkeit wurde (waS außerordent-lich wichtig namentlich für den Gütertransport ist, wie wir bereitsbei der Besprechung des Handels selbst wahrzunehmen Gelegenheithatten), der Verkehr immer exakter. Selbst die Eildiligeneender gnten, alten Zeit fnhren fo rasch, wie es der Fahrplan an-gab, nndso Gott will". Heute beträgt die Zahl der Ver-spätungen auf den deutschen Bahnen noch nicht 1°/<>.

Endlich ist die Beförderung durch die Eisenbahnen auch billigerals diejenige durch die Post oder den Frachtwageu. Nicht so sehrgroß ist der Abstand der bar bezahlten Fahrpreise für die Per-sonenbeförderuug zwischen der eisenbahnlosen Zeit nnd heute.So betrug der Eilpostfahrpreis vou Dresden nach Leipzig 4 Taleralso 12 Mark, der Preis sür jeden Plan in einer Lohnfuhre2 Taler also 6 Mark. Letzterer Betrag entspricht etwa dem Fahr-