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Die deutsche Volkswirtschaft im neunzehnten Jahrhundert / von Werner Sombart
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Die Massenverkehrsleistungen der Eisenbahnen.

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herumgekarrt werden können, was den Unterschied gegen früherausmacht.

Um sich diesen soi clisant-Fortschritt zifsermäßig vor Augenm sühren, gibt es verschiedene Methoden. Man kann zum Bei-spiel die Warcnmasse vergleichen, die ein Frachtwagen laden kann(das waren in der letzten Zeit des Frachtfuhrwesens nach denSchätzungen von Redens bei einem Vierspänner im Höchstfälle100 bis 120 Zentner), mit den Gütermengen, die eine Lokomotivefortzubewegen vermag. Das war im Anfang des Eisenbahn-wesens die Ladung eines Gütcrzuges von 40 Wagen zu je 2 t(40 Zentner) Ladefähigkeit, also 80 t (1600 Zentner), heute istes diejenige eines Zuges von 100 Wagen zu je 10 t, also 1000 tl20000 Zentner).

Oder man kann die absoluten Ziffern der beförderten Mengenvon Gütern oder Personen nuS der Zeit vor Beginn der Eisen-bahuära den heutigen Zahlen gegenüberstellen. So wurden bei-spielsweise (nach Reden) im Königreich Preußen im Jahre 1831etwa 500 000 Personen mit der Post befördert, im Gebiete desheutigen Deutschen Reichs also vielleicht 1 Million: am Schlüssedes Jahrhuuderts dagegen suhr eine beinahe tausendmal so großeMenge auf den Eisenbahnen in Deutschland herum (die Zahl derbeförderten Personen betrug im Jahre 848 092 000).

Im Jahre 1846 mühten sich ans den Straßen des Zoll-vereins (nach Reden) 38 349 Pferde um die Bewältigung desFracht- und Reiseverkehrs. Meitzen berechnet die Leistungsfähigkeitdieser armen Tiere aus rund 130 Millionen tkm Tonnen-kilometer, was bedeutet, daß sie eine Tonne (20 Zentner»130 Millionen Kilometer weit oder 130 Millionen Tonnen 1 kmweit zn befördern vermochten. Dagegen betrug wiederum die Zahlder von den deutschen (Voll-)Eisenbahneu zurückgelegte» Tonnen-kilometer im Jahre 1900 36 911 Millionen, das ist also etwa diedreihundertfache Leistung des alten Frachtverkehrs, während dieschmalspurigen Bahnen fast schon zwei Drittel des ehemaligengesamten Frachttransports leisteten (80 Millionen). Wollte manalso die heute bewegte Gütermeuge, wie ehedem, durch Pserde beför-dern, so würde man dazu mehr als 11 Millionen Pferde brauchen,