Die alte Partenrhederei.
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zwischen Wasserstraßen und Eisenbahnen, die Frage der Bedeutungeiner Privatindustrie als Konkurrentin gegenüber der staatlichenMonopolanstalt, der Eisenbahn, völlig außer Betracht bleiben kann.Denn ganz hiervon abgesehen, bedeutet es für ein Land einengroßen volkswirtschaftlichen Vorteil, wenn in ihm eine Ein-richtung sich entwickelt, die vor allem die natürliche!? Wasserläufe —Geschenke der Natur — als Verkehrswege auszunutzen unter-nimmt. Und einen nicht unbeträchtlichen Anteil an dem wirt-schaftlichen Aufschwung Deutschlands im letzten Menschenalter hatohne Zweifel die zu neuem Leben erwachte Binnenschiffahrt.
IV. Die Seeschiffahrt.
Die deutsche Seeschiffahrt ist in das neunzehnte Jahrhundertin fast unverändert denselben Formen eingetreten, die sich gegenAusgang des Mittelalters herausgebildet hatten. Wo die Größedes Schiffs die eigentlich handwerksmäßige Organisation ausschloß,hatte sich die Rhederei entweder im Anschluß an den Handel alsein kausmännisches Nebengewerbe, oder richtiger Hilfsgeschäft, ent-wickelt oder, wenn selbständig betrieben, war sie in den Formeneiner mehr oder weniger kapitalistisch organisierten Genossenschafts-oder Partenrhederei verharrt. Nach den Mitteilungen des bekanntenHamburger Rheders Sloman, die er in seinen Lebenserinnernngenmacht, hätte es noch in den 1830 er Jahren eine selbständigeRhederei „mit wenigen Ausnahmen" nicht gegeben. „(Handels-)Häuser von Bedeutung besaßen stets ein oder mehrere Schiffe;ich glaube fast, man war der Ansicht, daß es zur Stellung der-selben gehöre," schreibt dieser Gewährsmann mit dem Hinzufügen,daß in Bremen eine selbständige Rhederei um jene Zeit bereitsmehr ausgebildet gewesen sei. Diese selbst beruhte dann, wiegesagt, auf dem Zusammenwirken einer Anzahl von „Partnern",Genossen, von denen einer in der Regel der Schiffsführer war.„Dieser hat oft die Initiative zu einem Rhedereiuuternehmenergriffen, in dem er ja an erster Linie die feste Anstellung fand;Verwandte und Freunde liehen ihm das Geld zu einem Kapital-einschuß, der ihm verbürgte, daß er gar nicht oder nicht leicht an