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Die deutsche Volkswirtschaft im neunzehnten Jahrhundert / von Werner Sombart
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Verschiedener Verlauf der Entwickelung in Nordsee und Ostsee .

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diesem Aufschwung Bremen und Hamburg deu Löwenanteil haben,ist selbstverständlich. Die bremische Flotte vermehrte sich von99 Schiffen mit 14 600 Neg.-Tonnen netto im Jahre 1825 auf402 Schiffe mit 541796 Reg.-Tonnen im Jahre 1900; die ham-bnrgische von 286 Schiffen mit 61 540 Reg.-Tonnen auf 793Schiffe mit 983 854 Reg.-Tonnen. Hamburgs Rhederei umfaßtheute also beinahe die Hälfte des ganzen deutschen Schiffsbestandes.Ja es mutz noch mehr ausgesagt werden: der Aufschwung, dendie deutsche Rhederei genommen hat, ist sogar einem großen Teilder deutschen Häfen überhaupt versagt geblieben: den Häfen desOstseegebiets. Es hat sich also (aus Gründen, die wir noch kennenlernen werden) eine merkliche Verschiebung in der Stellungzwischen Nord- und Ostseeschisfahrt ihrer Bedeutung nachvollzogen. Genau genommen hat die deutsche Rhederei, die wireinstweilen nur als schwellendes Ganze verfolgt haben, zwei ver-schiedene Geschichten: eine glanzvollsten Aufblühens (im Nordsee-gebiet) und eine traurigen Dahiuwelkens (im Ostseegebiet).

Wie in so mancher Hinsicht, ist auch in diesem Punkte dervon Natur schon stiefmütterlicher behandelte Osten bei der Ent-wickelung des deutscheu Wesens beträchtlich zu kurz gekommen.Man ermesse, was es bedeutet angesichts des allgemeinen Auf-schwungs! wenn die preußischen Provinzen der Ostseeküste imJahre 1900 einen Schiffsbestand aufweisen, der niedriger ist, alsderjenige des Jahres 1825 (85 315 Registertonnen gegen 87 000Registertonnen)! Und trotz Lübecks und der holsteinischen Häfen istdoch auch unter des neuen Deutschen Reiches Herrlichkeit der Sternder Ostseerhederei Jahr für Jahr mehr verblaßt. 1875 wird derhöchste Schiffsbestand mit 470 914 Tonnen in 2109 Schiffen er-reicht, dann geht es rasch bergab, bis weit unter die Hälftejenes Höchstbestandes. Im Jahre 1900 waren die zweitausendSchiffe auf 840, ihre Tounenzahl war auf 218 750 gesunken(Reichsstatistik).

Wir Wolleu unsere Augen von diesem Bilde der Zer-störung abwenden und im weiteren Verlauf dieser Darstellungunsere Aufmerksamkeit lenken auf die innere Vervollkommnung,die dem Schiffahrtsbetrieb durch den Kapitalismus zu teil wird.