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Die deutsche Volkswirtschaft im neunzehnten Jahrhundert / von Werner Sombart
Entstehung
Seite
329
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Unterschiede im Zeitmaße der Zersetzung der einzelnen Handmerke, 329

jeuigeu mit rascherer Auflösung sondern Wolleu, so werden wir zujenen die Ernährungs- nnd Bauhandwerke, zu dieseu die Be-kleidungs- uud Gerätschaftshandwerke rechnen. Dazu können wirbemerken, daß an Stelle der ihm immer mehr eutzogeneu Neu-arbeit das Handwerk sich in nicht unbeträchtlichem Umfange auder Reparatur nud Flickarbeit, eine Zeitlaug weuigsteuo, zustützen vermag.

Wie schon angedeutet, hat sich dieser ZersetzuugSprozeß desHandwerks nicht in gleichem Tempo das gauze Jahrhundert hin-durch vollzogen. Bis um die Mitte des neunzehnten Jahrhundertswar vielmehr das Eroberungsgebiet des gewerblichen Kapitalismusnicht wesentlich gegen früher erweitert worden. Es waren imwesentlichen die Montanindustrie uud einige Zweige der Textil-industrie, in deuen der Kapitalismus Bodeu gefaßt hatte. Tannum die Mitte des Jahrhunderts begannen die letzten Reste derTextilindustrie seinem Angriff zu weichen. Bis zum Eude der1860 er Jahre wurde anch das wichtige Gewerbe der Wollwebereidem Handwerk entzogen. Aber der stürmische Bormarsch desKapitalismus gegen das gesamte Gebiet des Handwerks setzt docherst recht gegen Ende der 1870er und in den 1880er Jahren ein.Und man darf getrost sagen, daß in den letzten beiden Jahrzehntenmehr handwerksmäßige Organisation auch in der Sphäre der ge-werblichen Gütererzeugung vernichtet worden ist, als in den vorauf-gegangenen beiden Jahrhunderten.

Wenn diese Tatsache in den Ziffern der Statistik von 1882und 189S nur unvollkommen oder gar nicht zum Ausdruck kommt,so liegt das in der Uuvollkommenheit der statistischenMethode begründet. Angesichts der Wichtigkeit, die diese Einsichtfür das Verständnis des Verlaufs der gewerblichen Entwickelungbesitzt, kann ich es dem Leser nicht ersparen, mit wenig Wortendie kritische Beanstandung hier wiederzugeben, die ich iu meinemKapitalismus den Ziffern der Gewerbestatistik habe zn teil werdenlassen.

Diese Mängel sind zunächst begründet in der Art der Ver-öffentlichung. Diese ist viel zu summarisch, um uus tiefere Eiublickeiu die wirtschaftlichen Zusammenhänge zu gestatten. Was soll ich