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Das Gewerbe.
mit den Ziffern in einem „Regierungsbezirk" oder selbst einem„Kreis " anfangen, Mo es mir auf die Verfolgung, ich möchte sagendes einzelnen Falles eines bestimmten Handwerks ankommt. Selbstein „Kreis " umschließt noch Stadt und Land, Mittel- und Klein-städte, also Gebiete mit vielleicht sehr verschiedenen Entwickelungs-bedingungen für die Organisation der gewerblichen Produktion.Dasselbe gilt für die Abgrenzung der Berufe, die ebenfalls eineviel zu rohe ist. Unsere gewiß erstklassige deutsche Berufs- undGewerbestatistik stthrt unnnterschiedlich nur „Gerber" auf, währenddoch die Schicksale der Weißgerberei und Lohgerberei ganz ver-schieden sind; spricht nur von „Ofentöpferei", während Ofenfabri-kation und Ofensetzerei zwei Gewerbe mit himmelweit von einanderverschiedenen Entwickelungstendenzen darstellen. Und so in tausendandern Fällen. Aber noch bedeutsamer ist doch der Übelstand, daßauch die Art der Ermittelung eine viel zu ungenaue, zu weuigeindringende, ich möchte sagen zu äußerliche, ist (und sein muß),um wirklich alle für den sozialen Theoretiker bedeutsamen Tat-bestände aufzudecken. Um für diese Behauptung den Beweis zuerbringen, greife ich zwei besonders in die Augen fallende Unzu-länglichkeiten der statistischen Methode heraus.
Speziell die Berufs-, aber auch die Gewerbestatistik vermaguns nur zu belehren über die Berufsangchörigkcit einer Person,allenfalls über die Tatsache, daß sie ihren Beruf ausübt, aber nie-mals über den Umfang ihrer Bcrnsstätigkeit. Und an dessen Er-mittelung ist uns doch weseutlich gelegen. Denn was sagen unsz. B. für die Beantwortung der Frage, ob an einem Ort, in einembestimmten Gewerbszweige das Handwerk zurückgegangen sei odernicht, Ziffern, die uns nur die Zahl der Betriebe oder gar nurder Berufsangehörigen nennen, ohne hinzuzufügen, ob und wievieldiese Betriebe oder Berufsangehörigen produzieren. Man ermessez. B. die gänzliche Bedeutungslosigkeit einer Statistik für unsereZwecke, die in Eisleben 5 „Kleinbetriebe" und 1 „Großbetrieb" inder Müllerei zählt, wenn die Verhältnisse wie solgt liegen: „DieWassermüller haben wegen Wassermangels die Arbeit so gut wieganz einstellen müssen, einer lebt . . . von der Bäckerei, der zweitehat einen ziemlich umfangreichen landwirtschaftlichen Betrieb und