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Die deutsche Volkswirtschaft im neunzehnten Jahrhundert / von Werner Sombart
Entstehung
Seite
331
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Unznlänglichk, d. statistischen Methode f. d, Erkenntnis gewerbl. Entwickelung. ZZ1

der dritte hat eine Badeanstalt eingerichtet. Soweit sie noch mahlen,haben sie wie die beiden Windmühlen noch etwas Lohnmüllerei<Roggen); hauptsächlich benutzen sie aber ihre Mahlgänge zumSchroten des Getreides (für Futterzwecke). Ihre wichtigste Ein-nahme beziehen die Windinüller aus dem Detailverkauf von frem-dem Mehl". Oder welches wäre der Wert einer Handwerkerstatistikdes badischen Dorfes Nöttingeu-Darmsbach hier wird immerschon angenommen, die allgemeine Statistik sei örtlich und beruflichso verfeinert, daß sie in die Details einzudringen vermöchte, was,wie schon gerügt wurde, nicht der Fall ist die also lautet: esbefanden sich am Ort: 5 Schneider, 6 Schuster, 1 Metzger, 4 Zimmer-leute, 1 Glaser, 4 Tischler, 1 Anstreicher, 4 Schmiede, 3 Wagner,1 Holzdreher, 1 Sattler, 1 Korbmacher, 3 Böttcher, 2 Müller, weilnein Ortskundiger folgende Erläuterungen zu diesen Ziffern gibt:3 Schneider müssen nach Neujahr und Pfingsten wochenlang feiern;10 gelernte Schuster haben ihr Geschäft einstellen müssen, von fünfhaben nur zwei das ganze Jahr Beschäftigung; von den 4 Zimmer-leuten haben einer 1520, der andere 60 Tage, der dritte undvierte je 120130 Tage im Jahre zn tun; das Geschäft desGlasers steht im Winter fast ganz still; von den Tischlern sindzwei kaum die Hälfte des Jahres im Handwerk beschäftigt; derAnstreicher hat uur 8 Monate im Jahre Arbeit; zwei von denSchmieden müssen die Hälfte des Jahres hindurch feiern; von den3 Wagnern verdient Nr. 1 ^- 100 Mark, Nr. 2 2300 Mark,Nr. 3 ^ 5600 Mark im Jahr; der Holzdreher findet nicht ge-nügend Beschäftigung, der Sattler nur während ^/g des Jahres:der Korbmacher ist weggezogen, weil er nicht genügende Beschäfti-gung fand; die Böttcher sind nur etliche Wachen im Jahre mit derBöttcherei beschäftigt und die Müller haben des Jahres nur inder Hälfte der Woche zu mahlen. Offenbar: unter solchen Ver-hältnissen gibt eine Berufs- und Betriebsstatistik nicht nur keinenbrauchbaren Aufschluß, sondern muß in höchst bedenklichem Maßeirrige Vorstellungen erwecken. Nun ist aber eine solche Nicht-ansübung des Berufes, wie sie in unseren Beispielen zum Ausdruckkommt, keineswegs eine vereinzelte Erscheinung, die der Statistikeretwa übersehen dürfte. Vielmehr bildet sie eine wiederkehrende