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Das Gewerbe.
findet sich eine einzige Wollspinnerei (in Wesel ) mit 30 Arbeiternund einer Fabrikationssumme von 20 000 Talern verzeichnet.1846 weist die preußische Fabrikentabelle 419 523 Feinspindeln inStreichwollespinnereien und 32 470 in Kammgarnspinnereien aus:was doch sicher auch erst ein kleiner Teil der Gesamtspindel-zahl war.
Dagegen scheint die Baumwollspinuerei in Deutschland frühzeitig, vielleicht von Anfang an, fabrikmäßig betrieben wordenzu sein. Im Jahre 1302 gab es im ganzen Königreich Preußen sreilich erst eine Baumwollspinnerei (in Schermbeck ) mit 190 Ar-beitern uud 32187 Talern Jahresprodukt. 1846 wies Preußenjedoch schon 153 Baumwollspinnereien mit 170 433 Spindeln auf,der Zollverein dagegen hatte 313 Spinnereien mit 750274 Fein-spindeln uud 2397 Arbeitern, deren Verteilung über die einzelnenStaaten aus der Anlage 37 ersichtlich ist.
Daß heute kein Lot Garn mehr außerhalb der Fabriken ge-spvnnen wird, bedarf kaum erst der besonderen Hervorhebung.Wenn die Statistik gleichwohl immer noch hausindustrielle „Hand-spinner" ausweist, so handelt es sich offenbar in diesen wenigenFällen nicht um Spinnerei im eigentlichen Sinne, sondern umSpulerei, Schererei oder ähnliche Hilssindustrieu der Textil-industrie.
Viel zäher ist das Leben der Hausiudustrie in der Webereigewesen. Hier herrscht die hausindustrielle Betriebsorganisativnum die Mitte des Jahrhunderts noch in sämtlichen Zweigen vor,in der Seiden- und Leinenweberei sogar noch fast allein. DieWollweberei Preußens beschäftigte im Jahre 1846 noch 29 721 Stühlein den Wohnungen der Arbeiter gegen nur 14 237 iu geschlossenenEtablissements, uud diese auch noch überwiegend als Handstühle(vgl. Anlage 37). In der Baumwoll- und Halbwollweberei liefen71166 von insgesamt 139 460 Stühlen in den Behausungen derArbeiter, von den übrigen waren 45 666 Handstühle und mir2628 mechanische Webstühle.
In der Seidenindustrie, wie gesagt, war der geschlossene Betrieb noch so gut wie unbekannt, und auch in der Leinenwebereihatte er nur ganz geringe Verbreitung. Zehn Jahre später (1855), uacb